Fünf aus Acht - Überschreitung der Kreuzberge (Juli 2012)

 

Was tun mit alpinen Anfängern? Martin hatte klettertechnisch bislang nur aus den Mittelgebirgen Erfahrung und er wollte mal etwas Alpines machen. Tja, die hoch-klassische Kreuzbergüberschreitung hatte ich schon lange auf der Wunschliste und damit endlich jemanden gefunden, der das Gekrauche auch hinterher-hampeln würde. Ein gewisser Spaß war hier auch für den Nachsteiger durch die ganze Abkletterei gegeben, aber in Besitz des Topos für die Routenwahl war ja glücklicherweise ich. Anfang Juli freitagnachts noch drei Stunden aufgestiegen, Biwak unter dem Mutschensattel, um beim ersten Tageslicht in die zwar leichte, aber lange Tour einsteigen zu können. Möglichkeiten die Überschreitung durchzuführen gibt es in dem Tradtionsklettergebiet der acht Kreuzberggipfel, die durch steil aufgestellte Schrattenkalktafeln 1500 m über dem Rheintal gebildet werden, zuhauf. Ich entschied mich für die West-Ost-Überschreitung direkt über die Kanten beginnend mit dem VIIIten Kreuzberg. Im Sommer sollte man allerdings genügend Wasser dabeihaben, da man permanent in der prallen Sonne klettern, welche einem schon ordentlich das Hirn rausbrennen kann.

 

Auf dem Gipfel des Vten Kreuzberges war ich durch Nichtbeachtung dieses Punktes und aufgrund der glorreichen Idee alles in steigeisenfesten Bollerschuhen zu klettern schon etwas angeschlagen, so dass wir erst mal runter in den Schatten abseilten. Aufgrund unseres doch nicht so flotten Begehungstempos (wir gingen alles gesichert) ließen wir dann den IVten Gipfel aus, um noch die bizarr-witzige Plaisirkletterei „Schmales Südrippli“ auf den IIIten Kreuzberg zu machen. Naja, aus den acht Gipfeln wurde dann doch nichts, aber immerhin fünf Stück abgeknipst und dazu noch zwei Jahreserste geholt.

 

Nach weiterem Biwak am folgenden Morgen noch die „Rosakante“ am Gätterfirst und zurück. Ich glaube Martin hat der Einstieg ins alpine Klettern gefallen.

 

Zum Gebiet:

An den Kreuzbergen im Alpstein wird schon seit über hundert Jahren geklettert, woraus mittlerweile mehr als 110 Routen resultieren. Für den gipfelorientierten Kletterer in landschaftlich grandiosem Ambiente ein sehr lohnendes Ziel mit vielen leichten und moderat schwierigen Wegen. Oft klettert man in allerbestem Schrattenkalk, allerdings ist gerade im leichten Gelände mit etwas Kletterelend in Form von Gras und Schotter zu rechnen. Die Routen sind für Schweizer Verhältnisse meist nicht übertrieben „saniert“ und der gut strukturierte Schrattenkalk frisst zudem bereitwillig mobile Sicherungen. 2-3 Stunden Zustieg sind einzurechnen, allerdings gibt es auch ein paar bewirtschaftete Hütten in der Nähe. Die Gegend empfiehlt sich allerdings auch für ein gepflegtes Biwak.

 

Zur Tour:

Kreuzberg VIII: ↑„West“ IV, 185 m; ↓„Normalweg“ II, 50m

Kreuzberg VII: ↑„Biedermannkante“ IV-, 60 m; ↓„Ostgrat“ 40 m I  und 40 m Abseilen

Kreuzberg VI: ↑„Westwand“ IV, 70 m; ↓ „Gütlerriss“ 40 m II und 25 m Abseilen

Kreuzberg V: ↑„Westgrat“ II, 140 m; ↓„Nordostgrat“ 50 m I und 170 m Abseilen

Kreuzberg III: ↑„Schmales Südrippli“ IV-, 135 m; ↓„Normalweg“ I, 200 m

In Summe gut 970 Klettermeter in leichtem Gelände mit viel Auf- und Ab

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© Thomas Schaub