Off-Season - Südwesten der USA (September 2013)

 

Kalifornien, Nevada, Arizona und Utah: Wilder Westen sowie Heimat grandioser, arider Klettergebiete und anderer Naturwunder. Der September verspricht ja in heimischen und alpinen Gebieten meist perfekte Kletterbedingungen, also warum nicht zu der Zeit in die USA reisen? Am 31. August wurde deshalb in LA mit dem Wohnmobil zu einer dreiwöchigen Rundreise aufgebrochen, um den jährlichen Familienmorchelurlaub zu zelebrieren.

 

Der Auftakt in Joshua Tree: Geniale Landschaft, genialer Granit und nur eine Handvoll anderer Kletterer trotz des langen Wochenendes (Labour Day). Temperaturen über 100° Fahrenheit (~38°C) locken anscheinend auch nicht so viele Amerikaner an den Fels. Der Kletterführer hatte doch recht, es ist wohl eher das Gebiet für die kälteren Jahreszeiten. Der idyllische Hidden Valley Campingplatz war fast leer und wir hatten freie Hand bei der Auswahl unglaublich lohender, leichter Trad-Routen (bis 5.8) wobei ich irgendwie bei der relativ riß- und plattenlastigen Routenwahl mehr Spaß hatte als die Gattin. Tja, es ist ähnlich wie beim Joint: Wer baut der haut, ergo: Wer vorsteigt wählt… Aber ein paar veritable Henkelgeplänkel wie der Swiss Cheese, Ain´t nothing but a J-Tree Thing und Men with Cow´s Heads waren dann doch auch noch drin (neben den obligaten Schindern und Krampfrissen).

 

Die Red Rocks vor den Toren Las Vegas waren dann natürlich das Paradies für die Fünfer-kletternde Familienseilschaft. Für mich das Kalymnos für Trad Climber, obwohl es dort auch mehr als ausreichend gebohrte Sportkletterrouten gibt. In den Canyons ist die Auswahl an genialen, moderaten Mehrseillängentradrouten im überaus kletterfreundlichen und stark strukturierten Buntsandstein allerdings sehr großzügig. Aber auch dort waren anfangs ähnliche Temperaturen wie in Joshua Tree und der Campingplatz der Red Rocks war verwaist. An sich ein sehr beliebtes Klettergebiet von Weltruf, während der fünf Klettertagen dort trafen wir allerdings nur eine Seilschaft, und das war eine deutsche Damenseilschaft die sich wie wir auch munter in den Wänden grillen ließ. Tja, Off-Season halt. Wie wir erfahren haben geht es dort eigentlich erst im Oktober los. Auch wenn es manchmal schon unangenehm war, die schwarzen und sehr heißen Henkelschwarten des „Desert Varnish“ zu greifen, war es doch Sandstein, wie ich ihn noch nie unter den Griffeln hatte. Die Risse gaben oft die Linie und die Absicherung vor, während man munter und entspannt an den zahlreichen Kellen emporsteigt. Auch die Gattin fand überaus Gefallen an dieser Kletterei, da durch den Griffreichtum die Körpergröße keine große Rolle spielt. Am ehesten lässt sich die Kletterei noch mit der in Rathen vergleichen, nur dass das Gestein feinkörniger ist und nichts sandet. Großzügige Mehrseillängenrouten wurden uns in Tradplaisirwegen wie der großartigen Gernomio, Cat in the Hat, Johnny Vegas oder dem Solar Slab Gully geboten. Auch an den kleineren Wänden kam es in Einseillängenrouten schon vor, dass ich 60 m Seil ausgehen durfte. Nach ein paar Tagen war aufgrund starken und unerwarteten Regens dann leider Schluss, da das Gestein massiv an Festigkeit verliert wenn es feucht ist (noch schlimmer als in der Pfalz). Die Kletterei lief uns aber so gut rein, dass wir auf dem Rückweg auf den Besuch von San Francisco verzichteten und einfach nochmal ein paar Tage in die Red Rocks fuhren, in denen ansonsten immer noch niemand am Klettern war, da sich die Temperaturen wieder auf hohem Niveau eingerenkt hatten.

 

Im mächtigen Bundsandstein des wunderschönen Zion war für die Fünfer-kletternde Familienseilschaft allerdings nicht sonderlich viel zu holen, außer einer Besteigung des Lodge-Towers und einiger Übungsrisse, in denen mir mal gezeigt wurde, wo der Frosch die Locken hat! Tja, strammes Big-Wall Gebiet halt. Da muß ich wohl noch ein wenig üben. Da es zudem vor unserer Ankunft einige Tage durchgeregnet hatte war die Gesteinsfestigkeit auch dort stark minimiert. Anzahl anderer Kletterer die wir dort gesehen habe: 0. Naja, auch dort war noch Off-Season. Morcheln und wandern im unglaublichen Ambiente stand dann auf dem Programm. Sich durchs weglose Gelände, Kakteenmacchia und sehr lästigen Steildreck inklusive Klapperschlangenbekanntschaft auf Haufen wie den Mt. Allgod oder die Three Maries hoch zu machen waren auch schon abenteuerliche Krauchereien bei brütender Hitze. Die Aufstiege sind Müll, die Aussichten abseits der Besuchermassen machen diese Mühen allerdings mehr als wett.

 

Als Nichtkletterzeile standen die obligaten Besuche des bizarren Bryce-Canyon und des Grand Canyons auf dem Programm. Letzterer sieht riesig aus wenn man am Rand steht und er ist es auch, was man vor allem merkt wenn man dann mal von oben zum Colorado runter und wieder hoch gewandert ist. Entgegen den eindrücklichen Empfehlungen der Nationalparkranger („Nicht als Tagestour machen!“) haben wir uns diese 1350 Hm und 26 km in weniger als acht Stunden auf dem gut ausgebauten Bright Angel Trail unter die Füße genommen. Das relativ kühle und regnerische Wetter dort machte das ganze recht angenehm und entgegen aller Befürchtungen war auch keiner der sonst üblichen Muli-Treks unterwegs. Off-Season halt… Die ein oder andere Sehenswürdigkeit wie das Valley of Fire mit seinen ebenfalls grotesk verwitterten Sandsteinfelsen wurde auf dem Weg auch noch „mitgenommen“. Die Weite des Südwestens war beindruckend, der Urlaub genial, die angetroffenen Einwohner überaus freundlich und cool, die CO2-Bilanz der etwa 3000 km Rundfahrt mit unserem spritsaufendem Ford-Wohnmobil USA-typisch verheerend (~ 32 l auf 100 km) und das Essen wesentlich besser als sein Ruf. Den schlechtesten Burger aß ich übrigen vor dem Abflug im McDonalds am Flughafen in LA.

 

USA? We´ll be back!

 

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© Thomas Schaub