Sechs Pässe mit sechs Zylindern - Bergsport einmal anders (August 2016)

 

Vor geraumer Zeit habe ich mir aus einer Laune heraus als rechtzeitige Präventivmaßnahme gegen die Midlifecrisis einen schnuckeligen kleinen Sportwagen zugelegt. Ein ausreichend, aber nicht übertrieben motorisierter Z4 Cabrio sollte es sein. Da ich dieses Auto schon einmal vor Jahren über das Hahntennjoch fahren durfte wusste ich, dass es richtig viel Spaß macht mit solch einem Gefährt und offenem Verdeck über einen Alpenpass zu brettern. Allerdings war es mir dadurch auch klar, dass ob des sehr geringen Platzbedarfes dieses Auto für einen Bergsteiger eigentlich völlig untauglich ist, das ganze Geraffel muss ja auch irgendwo hin. Darin übernachten geht eigentlich auch nicht, geschweige denn Skitransport. Aber da wir ja noch unseren Mitsubishi als Arbeitstier für Ausfahrten mit viel Gepäck haben, konnten wir uns diesen Luxus gönnen. Die Liebste fand auch schnell Gefallen an dieser Art der Fortbewegung und zur besseren Zuordnung tauften wir den BMW auf den Namen „Gabi“, während der Mitsubishi zum „Horst“ wurde.

Nach etwas Eingewöhnungszeit in den heimischen Wäldern ging es dann Ende August für ein Wochenende in die Schweiz, um die Gabi auf ein paar ordentliche große Alpenpässe der Schweiz loszulassen. Das Kletterzeug blieb ausnahmsweise Mal daheim, aber zumindest die Bergstiefel kamen mit, irgendeinen Gipfel mussten wir machen, nur zum Autofahren begebe ich mich dann doch nicht in die Alpen.

 

Die Tour

 

Start war samstags in der Früh und zuerst wurde über Glarus der Klausenpass angesteuert. Landschaftlich wunderbar gelegen, wurden wir aber leider öfters zum Stillstand gezwungen, da gerade der Almabtrieb die Passstraße hinunter stattfand. Naja, die Kuhscheisse die wir auf der Straße aufgesammelt hatten hing selbst als wir tags darauf wieder daheim ankamen noch in den Radkästen, aber immerhin kam keine der Kühe auf die Idee, die Karre als Kratzbaum zu missbrauchen. Das Wetter war genial, die Abfahrt auch und es ging gleich weiter Richtung Sustenpass. Landschaftlich ist dieser ebenfalls ein Highlight, wie eigentlich alle Pässe die wir an dem Wochenende gemacht hatten.

Blöderweise war am Sustenpass gerade ein Radrennen im Gange, aber die Straße war nicht für den PKW-Verkehr gesperrt. Dies führte dazu, dass mir beim Fahren nicht langweilig wurde und es war eine besondere fahrerische Herausforderung an den unzähligen beweglichen Hindernissen vorbeizuziehen (es gab ja ab und an noch Gegenverkehr…), ohne diesen zu nahe zu kommen. Generell fiel mir bei der Tour auf, dass für Motorradfahrer wohl alle anderen auf der Straße bewegliche Hindernisse sind. Was da an unübersichtlichen Stellen überholt und Geschwindigkeitsbeschränkungen rabiat ignoriert wurden fand ich schon krass. Dass man mal fünf Minuten hinter jemandem fahren muss, weil vor z.B. vor einem ein Bus hochzuckelt, ist wohl nicht vermittelbar. Mich wundert es jetzt nicht mehr, warum es beim Motorradfahren viele Unfälle gibt. Wobei, eigentlich wundert es mich, dass nicht noch mehr passiert.

Nach dem Sustenpass weiter ins Haslital um zum Grimselpass zu gelangen. Ab hier übernahm dann die Liebste das Steuer, es ist ja nicht so, dass meine Frau nur das schmückende Beiwerk im Sportwagen sein soll. Das überlasse ich lieber den gesetzteren Herren mit den 20-30 Jahre jüngeren Freundinnen, die man öfters in solchen Autos sieht.

Am Grimsel gab es wenigstens kein Radrennen, keine Kühe und der Verkehr hielt sich in Grenzen. Am Grimselhospitz wurde dann ein Zwischenhalt eingelegt, damit wird uns mal die Beine vertreten konnten und wir machten einen kleinen Spaziergang am See entlang. Den Stopp an der Passhöhe sparten wir uns dann wegen Überfüllung (Augustwochenende und super Wetter, da ist man leider nicht alleine unterwegs) und fuhren gleich weiter zum Nufenenpass, dem höchsten mit dem Auto erreichbaren Ziel an diesem Tag. Hier war dann merklich weniger Verkehr als bei den Pässen zuvor und Susanne konnte es schön laufen lassen.

Die Aussicht von der Passhöhe ist fantastisch, mit einem Paradeblick auf Finsteraarhorn, Lauteraarhorn und Schreckhorn. Dass man mit einem Wohnwagen gemäß deutlicher Ausschilderung nicht über den Nufenenpass darf war auch nicht jedem klar, dieses Hindernis ließen wir dank eines soliden Überholmanövers von Susanne in der Abfahrt aber auch schnell hinter uns.

Frei nach Sepp Herberger ist nach dem Pass vor dem Pass, so ging es dann durch das Val Bedretto zum Gotthard. Eigentlich wollten wir mal die alte Passstraße mit den vielen Spitzkehren fahren, das hatten wir von unten aber nicht auf Anhieb gefunden und sind dann doch die neue Passstraße hoch. Oben gab es einen Fahrerwechsel und nachdem wir nochmal Richtung Airolo runtergefahren sind, haben wir dann auch die richtige Abzweigung auf die alte Passstraße erwischt und dass war dann mal richtig großer Spaß! Unzählige Haarnadelkurven, Kopfsteinpflaster, die Kurven sehr gut einsehbar und abends so gut wie kein Verkehr. Da habe ich es der Gabi mal dann so richtig gegeben, es lebe die Heckschleuder! Ich glaube dieser Ritt hat die Lebensdauer des Autos um zwei Jahre gesenkt. Aber einen Sportwagen muss man halt auch sportlich fahren, vor allem, wenn nichts los ist!

Aber langsam war es dann auch mal genug für den Tag und wir fuhren noch den Furkapass hoch, um das Hotel Tiefenbach als unsere Unterkunft für die Nacht zu erreichen. Zehn Stunden sitzen weckten in uns den Bewegungsdrang, so dass wir vor dem Abendessen in einem zweieinhalbstündigen Spaziergang noch den Schafberg hinter dem Hotel bestiegen (immerhin ein Gipfel mit Kreuz und gut 500 Hm gemacht).

Nach erholsamer Nacht in diesem sehr schön gelegenen Hotel waren wir dann um sieben morgens an der Passhöhe, um von dort aus über den Tälligrat auf des Große Muttenhorn zu steigen. Mehr oder minder eine gute Wegspur bis zum Gipfel, technisch ohne besondere Schwierigkeiten und nur an ein paar Stellen etwas ausgesetzt und schottrig. Wo der Führerautor die 2a-Kletterstellen am Gipfelgrat im Normalaufstieg gefunden hat würde mich auch mal interessieren, das war eher Gehgelände. Auch wenn das Große Muttenhorn kein besonders anspruchsvoller Gipfel auf dem Normalweg ist, durch seien vorgeschoben Lage ist er eine Aussichtswarte allererster Güte! Paradeblick in das Berner Oberland, Wallis, das Tessin, das komplette Gotthardmassiv sowie die ganzen Kletterziele rund um den Galenstock. Zudem war es der erste 3000er für meine Holde und das bei idealen Bedingungen.

Auf der Heimfahrt ging es dann nach dem Furka nochmal über den Grimsel, um über den Brünig als letzten Pass die Heimreise anzutreten. Eigentlich waren es also acht Pässe, aber der Grimsel war doppelt und der Brünig zu niedrig, um im Vergleich zu den anderen zu zählen. Außerdem hat der Z4 nur sechs Zylinder, weshalb ich mir eine andere Überschrift hätte ausdenken müssen. Motorsport als Bergsport ist eine sehr schöne Abwechslung, bei der nächsten Fahrt ins Gebirge muss aber wahrscheinlich wieder der Horst herhalten, ich will ja auch mal wieder was klettern…

 

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© Thomas Schaub