Wadi Rum und Golanhöhen (April 2010)

 

Nach einem Jahr Abstinenz ging es im April 2010 mal wieder Richtung Israel, diesmal allerdings mit Susanne die, wie ich, dort ebenfalls schon ein Jahr verbracht hatte. Das Klettergeraffel war auch dabei, da unter anderem ein Abstecher in den Wadi Rum sowie Canyons auf den Golanhöhen auf dem Programm standen. Beim Packen peinlich auf die Lufthansa-Freigepäckgrenzen achtend musste ein Minimalsatz an Sicherungsgerät und das Doppelseil ausreichen, da wir ja eh nichts schweres Klettern wollten und auch Campingausrüstung für die Nächte unter freiem Wüstenhimmel mit in die Rucksäcke musste. Morgens um fünf dann von Robert und Ina, welche uns begleiteten, in Tel Aviv abgeholt, durch die Wüste runter nach Eilat und nach einem Tag Schnorcheln und Biertrinken am Roten Meer gut akklimatisiert nach Jordanien rüber. Erstmal das kulturelle Pflichtprogramm abgespult und für unsere beiden Jordanienneulinge mit dem Mietwagen nach Petra. Dort haben wir abends auf den Sandsteinfelsen hoch über Petra nicht ganz legal noch zusammen den Sonnenuntergang beim Picknick genossen um anderntags gut erholt die 5 Stunden zum Wadi Hidan zu fahren.  Dieser führte aufgrund des relativ nassen Winters noch viel Wasser, so dass wir diese enorme Basaltschlucht oft schwimmend durchqueren mussten, was bei 35°C Luft und 10°C Wassertemperatur herrlich erfrischend war.

 

Da Seil & Co nicht dabei waren, mussten wir nach ein paar Kilometern raus, da man zum Toten Meer runter dann nur abseilenderweise kommt. Als guter Führer habe ich den Ausstieg in dieser gottverlassenen Gegend wenigstens auf Anhieb gefunden. Dann endlich in den Wadi Rum, den Traum jedes Sandsteinkletterers: Trad-Gebiet (so gut wie kein fixes Material), bis 600 m Wandhöhe, herrlich rauer Sandstein, bizarre Felsformationen und selbst in der Hauptsaison waren wir nur knapp 10 Seilschaften über eine Wandfläche verteilet, die grob geschätzt mindestens 100 mal so groß ist wie in der Pfalz (verglichen mit dem Wadi Rum sind daheim leider alles nur Quacken). Um ein Gefühl für den Fels zu bekommen erstmal mit der Frau den langen IIer NW auf die 200 m Quacke Jebel Mayeen gemorchelt.

 

Runter durch die Westwandkamine abkletternd zur Scharte, wo Robert und Ina schon auf uns warteten, die dort hingewandert waren. Mit Robert dann noch mal durch die Westwand hoch und runter gebouldert, einfach weil es Spaß macht. Tags darauf  Stand der Abu Maleh Tower auf der Speisekarte, auf welchem es ein Gipfelbuch vom Brutscher geben soll. Diese Quacke steht etwas verloren vor der riesigen Ostwand des Jebel Rums, ist aber trotzdem doppelt so hoch wie der Asselstein und der NW immerhin mit 5c bewertet.

 

Dieser war auch das Ziel, entpuppte sich aber nach einer 50 m Genuß-IVer SL als finsterer, überhängender und sandiger Schrubber, der mit Rucksack begangen so gar keinen Spaß machte. Der 5er Camalot hätte meine Nerven sehr beruhigt, lag aber aus Gewichtsgründen daheim in Neustadt. Als ich dann unter einem Dach im Riß angelangt war und es sich langsam echt schwer für 5c anfühlte, bekam ich erhebliche Sorgen, ob diese Stelle meine bessere Hälfte auch packt. Da Abseilen über die Route nicht ist und bei einem verröhrten Haxen in der Wüste auch keine Bergrettung vorbeikommt, entschied ich mich für den Rückzug. Im Rißgrund einen alten Schlaghaken erblickend wurde dieser kurzerhand zum Abseilhaken definiert und ich hing mir Sack Nummer I auf.  Dann halt unter der Jebel Rum Ostwand zwei Stunden querend zum Jebel Ahmar al Shelaali, da dort mit dem NW auch was für uns zu holen sein sollte. Als wir auf die Westwand desselben zuliefen fielen mir sofort die vermeintlichen Handrisse dort auf und ein Blick in den KleFü versprach Terra-Inkognita. Im Erstbegehungsfieber ab dorthin, da man den NW ja schließlich auch im Abstieg begehen kann. Vor der Wand stehend musste mein Dreißigmeterfelsen gewohntes Auge dann doch feststellen, das es sich bei den Handrissen um Stemm- und Spreizkamine handelte. Noch besser! Drei Seillängen durch geniale Kamine im IVten Grad, wobei man an einer Stelle durch ein Loch auch weit im Fels klettern konnte, was dann sehr an den NW auf den Jeanturm erinnerte. Der Traum eines jeden Schlottenschrubbers.

 

Dies führte zum oberen Teil des NWs (auf welchem auch noch Kamine, Risse und Platten geboten wurden) der dann auf den Gipfel mit einer herrlichen Aussicht führte. Der Abstieg über den NW war problemlos und von unten war es dann auch nicht mehr weit zum verdienten kalten 5€-Bier im Resthouse. Am nächsten Tag fuhr uns früh morgens ein angeheuerter Beduine zum abgelegenen Jebel Burda in der Nähe der Grenze zu Saudi Arabien, wo für uns die Ostwand (IV) auf dem Programm stand, während Robert und Ina auf die Westseite zum Einstieg des einfachen NWs gebracht wurden, wo wir Abends auch wieder von unserem Fahrer abgeholt werden würden.

 

Geplant war eigentlich, dass wir uns an der berühmten Felsbrücke oben treffen würden und Susanne und ich im Rahmen einer Überschreitung den NW runter wollten. Eigentlich… Die schier endlose Plattenwand mit hochklassischer Absicherung (= keine) war im KleFü nur sehr spärlich beschrieben („über die Ostwand neben einer Schlucht über Bänder und Platten zur Felsbrücke“) und stellte aufgrund der vielen Quergänge doch gehobene Ansprüche an meinen Orientierungssinn. Auch morgens in der Wüste in eine sonnendurchflutete Ostwand ohne jeglichen Schatten einzusteigen war nicht so die großartige Idee, wie sie mir noch am Abend vorher nach ein paar Bier erschien (vor allem wenn man einen schwarzen Helm hat). Nach vier SL dann aus Zeitgründen auf klettern am kurzen Seil umgestiegen erreichten wir irgendwann die Gipfelschluchten. Das riesige Gipfelplateau bestand aus unzähligen großen durch Schluchten und Kamine getrennte Türmchen und ich hatte keinen Plan wo der Ausstieg bzw. welcher der Türme der Gipfel ist (Elbi lässt grüßen).

 

Nach langem hin und her war es dann Zeit für Sack Nummer II. Also, die ganzen 300 m Wand wieder abklettern, 3 km das Equipment durch den Sand um den doch großen Felsklotz bis zum NW tragen, da wir ja dort abgeholt wurden. Über den NW erreichte ich dann zwar trotzdem noch die Felsbrücke, nur um von oben zu erkennen, das uns noch knapp 20 Meter leichter Kletterei von dieser getrennt hätten, was von unten aber nicht ersichtlich war. Manchmal wäre es vielleicht doch besser, einen ortskundigen Führer zu engagieren, aber das würde ja das Abenteuer zerstören (also doch lieber einen Sack riskieren). Tags darauf stand dann noch eine gemeinsame Schluchtenwanderung auf dem Programm, wobei nach dem Rakabat Canyon beim Rückweg durch den Kharazeh Canyon auch 60m Abseilen u.a. durch einen engen Kamin nötig waren. Robert und Ina zögerten an dieser Stelle doch etwas, da dies das erste mal Abseilen für beide war (Nichtkletterer). Da die Alternative allerdings vier Stunden den Weg zurück durch die Wüste zu laufen war, wurde mir dann doch irgendwann vertraut, und ab ging es in die Schlucht. Ich glaube am Ende hat es ihnen sogar noch Spaß gemacht. Zurück in Israel dann wieder zu Bier und Korallen nach Eilat, Wandern in der Negev Wüste und auch mal wieder die Kinderklettersteige durch die Arbelklippen am See Genezareth genossen. Im Golan angekommen ging es durch den uns bekannten leichten aber trotzdem wunderschönen Wadi Yehudia, wo auch gesprungen werden darf und auch zwei Pools durchschwommen werden müssen.

 

Ausrüstung braucht es da keine und macht immer wieder Spaß. Die Begehung des Black Canyon von Susanne und mir am nächsten Tag musste noch zuvor bei den Parkrangern angemeldet werden, da dieser dort aufgrund mehrer Todesfälle als sehr gefährlich gilt und nur mit Genehmigung seitens der Nationalparkverwaltung und vorheriger Prüfung der Kletterkenntnisse begangen werden darf. Die „Prüfung“ allerdings bestand aus der Frage: „How you will rapell down?“ Antwort meinerseits: „I have a 50 m double-rope and use a figure eight or a tube“. Prüfung bestanden. Der landschaftlich sehr eindrucksvolle tief eingeschnittene Basaltcanyon bestand dann doch aus mehr oder minder viel Gehgelände, Krabbelklettern und einigen harmlosen bis zu 50 m langen Pools, die schwimmend durchquert werden mussten. Die beiden 30 m Wasserfälle (neben einigen kleineren) durch die wir abseilten waren dann doch ganz lustig erfrischend und zudem mit vorbildlichen Klebehaken eingerichtet. Einzig die aufgequollene und verweste Wildsau in dem einen Pool, in welchen wir abseilen und schwimmen mussten, war nicht gar so lecker. Die von den Rangern angegebenen 6-9 Stunden Begehungszeit der Schlucht konnten wir mit drei Stunden dann deutlich unterbieten, was zu etwas Staunen derselben bei der Rückkehr führte (verglichen mit einigen grimmigen Schluchten die ich aus dem Tessin kenne, war das Ganze auch recht gemütlich). Der sehr große Vorteil in dieser Schlucht ist, dass man seine Ruhe hat und zu zweit alleine ist, was in dem dicht bevölkerten Land nicht immer der Fall ist. Es war wie immer sehr lohnend in der Gegend, und in den Wadi Rum muss ich zeitnah eh mal wieder, da es ja schließlich zwei Säcke abzuhängen gibt.

 

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© Thomas Schaub