Feuerberge und Feuerinseln (Süditalien Mai 2022)

 

Die Vulkane im Süden Italiens, ein durchaus interessantes Ziel und in der Form auf unserm Kontinent, das doch eher abgelegene Island mal ignorierend, recht einzigartig. Diese waren nämlich für zwei Wochen unser Ziel im Mai 2022. Eine durchaus abwechslungsreiche Runde vom chaotischen Neapel aus zum Vesuv, weiter zu den lieblichen Liparischen Inseln, die alle vulkanischen Ursprungs sind, und zum Abschluss zum gerade aktiven Ätna auf Sizilien. Ein sehr interessanter Mix aus Kultur, Wandern, Vulkane, Baden und natürlich der köstlichen süditalienischen Küche. Im Laufe der Reise steigerte sich auch stetig, was die besuchten aktiven Vulkane so alles boten: Der Vesuv zu Beginn war (zum Glück) noch immer in seinem Schlaf und wirkte harmlos, der als zweites aufgesuchte Vulcano zeigte dann schon ordentlich Fumarolentätigkeit am Krater (und war deshalb eigentlich gesperrt), der Stromboli machte was man vom auf eher kleiner Flamme dauererupierenden Stromboli halt so erwarten kann aber als Crescendo zeigte uns dann der Ätna am Ende, was ein gescheiter Feuerberg ist. 

 

Ob der etwas aufwendigeren Planung dieser Reise durch die vielen verschiedenen Ziele und auch das Inselhopping, schlossen wir uns hierfür einer organsierten Reise, es war uns im Vorfeld einfach zu viel Aufwand, das alles selbst zu organisieren, man wird halt bequem. Zusammen mit 12 anderen Landsleuten (ich war der jüngste Teilnehmer…) und unserem quirlig-lässigen Reiseleiter Guiseppe ging es zuerst nach Neapel.

 

 

Da wir schon in Neapel waren, ließen wir uns natürlich nicht das hervorragende Archäologische Nationalmuseum entgehen, welches eines der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt beherbergt. Ein Tag ist dafür eigentlich zu kurz, die Anzahl an Exponaten ist einfach überwältigend, vor allem die ganzen hervorragend erhaltenen Statuen, Mosaike und Wandgemälde aus Pompeji. Absolut sehenswert. Am Tag danach ging es mit der Bahn ins 40 km entfernte Caserta, wo sich der neapolitanische König Karl VII eines der größten Schlösser Europas mit kilometerlanger Gartenanlage in die Landschaft setzen ließ. Das Ensemble ist eine der größten Schlossanalgen Europas und ich weiß nicht, was der gut Karl der VII damit kompensieren wollte, aber es war wohl ziemlich viel. Wie ich immer sage, der Absolutismus war schon was feines, also zumindest für den absolutistischen Herrscher… Eigentlich hätte es an diesem Tag zu den Phlegräischen Felder gehen sollen, leider sind die aktuell immer noch für Besuchergruppen gesperrt (zumindest der Teil, der interessant ist) seit es vor einiger Zeit einen Unfall mit mehreren Toten wegen des Austretens giftiger Gase gab. Aber Tags darauf stand der berüchtigte Vesuv auf dem Programm, der bekanntermaßen Pompeji unter einer dicken Aschedecke konserviert hatte. An dessen Hängen liegt nun die Millionenstadt Neapel und die Geologen warten nur darauf, dass er mal wieder richtig knallt, wie er es schon öfter nach einer Ruhephase gemacht hatte (siehe Pompeji). Also ich persönlich würde in Neapel nicht in Eigenheim investieren wollen (Ok, nicht nur wegen es Vesuvs, Neapel ist schon so chaotisch, wie man es sich vorstellt). Der Vesuv ist schon sehr dominant im dortigen Landschafts/Stadtbild, aber eher ein Gipfel für Lauffaule, weil man mit dem Bus bis auf 800 m gebracht werden kann und dann nur noch knapp 400 hm bequemen Weges bis zum Kraterrand hat. Glücklicherweise hatten wir einen Guide, mit dem wir den kompletten Kraterrand ablaufen durften, die Aussicht von dort ist schon großartig. Wenn man aber sieht, wie der ringsum bis zu den Hängen hoch bebaut ist, naja, nicht die beste Idee. Im Anschluss besuchten wir dann natürlich noch Pompeji, das darf man sich einfach nicht entgehen lassen, wenn man dort in der Nähe ist. Ich habe in meinem Leben schon durchaus viele antiken Stätten besichtigt, aber Pompeji ist einfach gewaltig. Ich hatte vorher nicht wirklich auf dem Schirm, wie groß und gut erhalten das alles ist, v.a. in Hinblick, dass etwa 1/3 immer noch nicht ausgegraben ist (das dauert halt). Hier jetzt ins Detail zu gehen wäre wie Eulen nach Athen zu tragen, einfach selbst anschauen.

 

 

Danach ging es los mit dem Inselhopping, also mit der Nachtfähre nach Lipari, die Namensgeberin der Liparischen Inseln. Wie alle dieser Inseln ist Lipari vulkanischen Ursprungs, allerding sind die Vulkane auf Lipari erloschen. Ein durchaus liebliches Fleckchen Erde, was zum gemütlichen Wandern und auch Baden einlud, das Meer hatte immerhin schon 18°C und ist dort von hoher Güte. Azurblaues Wasser, Ok, Feuerquallen, aber mich hatte, im Gegensatz zu anderen Teilnehmern, nie eine bei den täglichen Badeaktionen erwischt. Auf eigene Faust setzten Susanne und ich an einem Tag mit dem Wassertaxi (sehr flott: Tragflügelboote!) auf die Nachbarinsel Vulcano über. Der Namensgeber für diesen Bergtyp und nach römischer Mythologie galt die Insel als Schmiede des Feuergottes Vulcanus. Normalerweise sind die touristischen Highlights von Vulcano der schöne Krater des (aktiven) Vulkans und die Unterwasserfumarolen in Strandnähe als natürliche Whirlpools. Leider waren, aufgrund hoher Fumarolentätigkeit, sowohl der Vulkan als auch die Fumarolen im Wasser für Besucher gesperrt. Deshalb konnte unser Guide auch keine Toru mit uns dorthin machen, aber er meinte: “Ihr seid erwachsene Leute, ihr könnte gerne selbst rüber nach Vulcano fahren, was ihr dann dort macht, nicht meine Sache.“ Das Problem ist vor allem der giftige Schwefelwasserstoff, der dort austritt, aber als Chemiker kann ich damit sicher umgehen (hoffe ich zumindest), was uns zum Besuch der Insel bewegte. Wenn man dort am Hafen aus dem Wassertaxi steigt, schlägt einem schon der nette Geruch nach faulen Eiern des Schwefelwasserstoffs entgegen und auch aus dem Krater es Vulkans dampfte es ordentlich. Im Vorfeld war ich mir noch unschlüssig, ob ich, das Verbot ignorierend, trotzdem zum Krater hoch gehe. Als wir aber oben am Kraterrand zwei Leute mit einem Hund sahen war für mich der Entschluss gefallen, dass wir auch hochkönnen. Solange der Köter, der die Nase weiter unten hat wo sich der Schwefelwasserstoff anreichert (schwerer als Luft), kann es für uns auch nicht so wild sein. Man sollte halt die Windrichtung im Auge behalten, wo der Dampf der Fumarolen hinzieht und einen Schnellabstieg (Aschhänge!) in der Hinterhand haben. Also, die 400 hm hoch zum Krater und die doch tolle Szenerie dort oben genossen (Ok, olfaktorisch war es eher wenig ein Genuss). Danach wanderten wir noch einige Kilometer über die Insel und zum deutlich höheren Monte Sarazena, von dem aus man schön den Vulkan in voller Pracht sehen konnte. Die Fumarolen im Meer waren zwar auch gesperrt, aber das ließen wir, und viel andere Touristen, uns auch nicht entgehen. Die Gasaustritte erwärmen das Wasser dort auf wirklich angenehme Temperatur, allerdings sollte man den Fuß nicht zu weit unter Wasser in den Sand graben, weil es dann sehr schnell ungemütlich heiß wird. Über so einer stark blubbernden Fumarole im Wasser zu sitzen ist schon superlustig, wenn nur der extrem penetrante Gestank des Schwefelwasserstoffs nicht wäre. So muß es riechen, wenn man in einem Klärbecken schwimmt…oder man mit wirklich schlimmen Flatulenzen Baden geht. Dadurch hält man es, trotz sehr angenehmer Temperatur, leider auch nicht allzu lange im Wasser aus. Mit dem gemieteten Kahn waren wir auch noch auf der Insel Salina mit seinen formschönen (inaktiven) Vulkanen, um den höchsten Punkt der Liparischen Inseln zu erlatschen.

 

 

Dann war auch wieder Zeit die Unterkunft zu wechseln, auf nach Stromboli mit dem seit Jahrhunderten dauerspuckenden Vulkan. Wenn man ein Kind fragen würde eine Vulkaninsel zu malen, dann käme wohl sowas wie der Stromboli heraus.  Ein prototypischer Stratovulkan. Auf zwei Seiten am Meer dann noch die kleinen Ortschaften, ein bizarrer Ort zum Leben, immer den rauchenden und spuckenden Vulkan im Blick. Tja, wie öfters in dem Urlaub, war auch hier leider wieder etwas gesperrt, nämlich der Aufstieg zum Gipfel (926m) mit seinen Kratern. Dieser ist aufgrund der veränderten, weniger berechenbaren Aktivität des Strombolis für Touristen leider seit drei Jahren nicht mehr erlaubt. Immerhin durften wir Abend zum Sonnenuntergang mit einem lokalen Vulkanführer bis auf 400m an die Feuerrutsche ran und bis zum Einbruch der Nacht dort verweilen, weil man eigentlich nur dann auch die Magmaeruptionen am Gipfel richtig erkennt (tagsüber sieht man nur den Rauch). Ein paarmal sahen wir das noch in der Nacht, aber der Stromboli war an den Tagen, wo wir dort waren, anscheinend nicht sooo aktiv. Meinte zumindest der Guide. Die sogenannte Feuerrutsche ist ein sehr unwirkliches Fleckens Erde. Ein riesiger, gleichgeneigter etwa 800m hoher pechschwarzer Aschehang, über den das Material von den Eruptionen an den Gipfelkratern ins Meer rollt. Sehr imposant, wenn dort dauernd die Brocken den Riesenhang runterpoltern und unten ins Meer klatschen. Das ist auch der Grund, warum sich die Ortschaften an dem Berg gehalten habe, weil glücklicherweise bei den Eruptionen so gut wie alles Material über die Feuerrutsche den Weg zum Meer nimmt. Also zumindest in den letzten paar Jahrhunderten. Anderntags schipperten wir um die Insel herum und besichtigten noch die Feuerrutsche von der anderen Seite vom hutzligen Ort Ginostra (30 Einwohner) aus. Die Schwimmeinlage im Tiefwasser vom Boot aus beim vorgelagerten Fels Strombolicchio war dann das Sahnehäubchen. Als Abschluss auf den Liparischen Inseln fuhren wir, mal wieder mit dem Wassertaxi, nach Panarea, eine beliebte Zuflucht norditaliensicher Bonzen im Sommer, um dort die kleine Insel, über den höchsten Punk (421 m) komplett zu umwandern. 

 

 

Aber nach den Inseln ist vor der Insel und es startete der letzte Teil der Reise, nämlich zum Ätna auf Sizilien als Höhepunkt. Also was die sowohl die erreichte Höhe als auch die vulkanische Aktivität angeht. Glücklicherweise fuhr das Tragflügelwassertaxi bis Sizilien rüber, so dass diese Schifffahrt relativ zügig von Statten ging. Stützpunkt war das pittoreske Castell Mola, von dem aus wir einen perfekten Blick in die Osthänge des Ätnas hatten, wo aktuell auch die Magmaströme der Ausbrüche runtergingen. Tagsüber sah man den Ätna munter vor sich hinrauchte, aber in der Dunkelheit erkannte man dann das wahre Gesicht dieses Feuerberges. Ein beeindruckender Anblick, wie da im Dunkeln die glühenden Lavaströme den Hang runterkriechen und oben am Gipfel munter die Magmafontainen spratzen. Und auch dieser Vulkan ist ringsherum besiedelt… Siehe Neapel, ich würde da nicht wirklich in Eigenheim investieren wollen. Ich frage mich ob am an solchen Orten eine Elementarschadensversicherung für sein Haus bekommt. Eher schwierig. Am vorletzten Tag stand dann, trotz ordentlicher Aktivität, die Exkursion zum Ätna hoch an. Also mit dem Bus auf die Südseite bis auf 1900 m, dann den Lift bis auf 2400 m (den es öfters schon in den letzten Jahrzehnten durch Lavaströme weggefazt hatte) in die bizarre schwarze Asche- und Lavahochwüste des Gipfelbereichs. Am Ätna hat man zahlreiche Krater von verschiedensten Ausbrüchen, der aktuelle ist aber ausnahmsweise mal wieder am höchsten Punkt. Bis auf 2500 m hoch darf man noch ohne lokalen Vulkanführer, wir hatten aber einen, da war dann das Limit 2900 m (ok, wir sind dann auf 3000 m) bis etwa 1 km an die aktuelle Ausbruchsstelle hin.  Naja, ehrlich gesagt, näher hin will man aber auch nicht ran, der wirft schon ordentlich Material aus bei seinen Eruptionen und je näher man rankommt, desto größer das Material, was vom Himmel fällt. Bei einer 50 kg-Bombe auf die Rübe hilft einem auch der Helm nichts mehr und davon lagen genügend rum (inkl. Imposanter Einschlagskrater). Zudem noch die ganze Asche und das Schwefeldioxid in der Luft, was einem schon übel im Hals kratzt und die Augen tränen lässt, bei uns war die ganze Gruppe nur noch am Rumhusten. Zudem sieht man recht nah am Krater eigentlich nicht mehr so arg viel, da man immer wieder in dem Dampf/Rauch der Eruptionen eingehüllt ist. Gespenstisch war aber der Lärm, den der Ätna bei seinen Dauereruptionen gemacht hat: In kurzen Zeitabständen kam mit den Eruptionen ein lautes Fauchen durch die Gasaustritte. So in etwa stellt man es sich wohl vor, wenn ein Drache Feuer speit. Zusammen mit der schwarzen Hochwüste dort, ein surreal-unwirtliches Flecken Erde.  Das war wirklich eine tolle Erfahrung für uns. Zum Ausklang gingen wir dann anderentags gemütlich vom Ort aus Wandern und bummelten noch etwas rum, immer den großen Raucher im Blick bevor es zurück in die Heimat ging. Auch wenn es sehr Eindrücklich an diesen Vulkanen ist, ich ziehe als Wohnort dann doch lieber die beschauliche Rheinebene vor…

 

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© Thomas Schaub