Spitzkehrenfest – Mit den Ski auf Schochen und Gaiseck (2020)

 

Wer Spitzkehren und ordentliche Hänge mag, für den sind der Schochen und das Gaiseck (bzw. Gaishorn) durchaus geeignete Ziele in den Allgäuer Alpen. Ich bin jetzt schon etliche Jahre in dieser Gegend mit den Ski unterwegs, aber das war bislang so ziemlich das Beste was ich dort gemacht habe!

 

Am langen Dreikönigswochenende 2020 ging es mit Sebastian und Tobi ins gewohnte Allgäu auf Skitour, allerdings waren die Erwartungen auf gute Touren ob der bisher nur sehr mäßigen Schneemengen in den Nordalpen nicht so hoch.

 

Zum Aufwärmen am Samstag war erst einmal das Zirleseck unser Ziel, allerdings nicht ganz „by-fair-means“, da das Wetter mit Regen bis auf etwa 1300m, Wind und wenig Sicht doch eher räudig war. Also haben wir je 23 € für eine 2h-Karte im Skigebiet investiert, drei liftunterstützte Abfahrten auf der Piste gemacht (die ob Präparierung auch bei Regen noch halbwegs gut fahrbar war), um dann nochmal mit Lifthilfe über der Schneefallgrenze den Aufstieg zum Zirleseck durch das sehr schöne Pontenkar zu starten. Ob des Wetters waren wir dort alleine, es hatte etwas Neuschnee und das Gelände war unverspurt. Trotz der für diese Jahreszeit unterdurchschnittlichen Schneehöhe war die Abfahrt im Gelände, bis es wieder zur Piste ging, erstaunlich pulvrig und genüsslich, wobei durch die Latschen im unteren Teil ein Meter mehr an gesetztem Schnee sicher nicht geschadet hätte.

 

Von der unerwartet guten Aufwärmtour, trotz Mistwetter, motiviert wurden dann in Anbetracht einer günstigen Lawinenlage die Ziele für die nächsten beiden Tage festgelegt: Der Schochen und das Gaiseck.

 

Die Skitour auf den Schochen vom Giebelhaus aus

 

Der Schochen ist einer der Allgäuer Grasberge, der bei Schneebedeckung zwar teils steile, dafür aber ideale und großzügige Skihänge aufweist. Zudem waren Aufstieg- und Abfahrt über die schattige Nordseite angesagt, dort war auch eine gute Schneequalität zu erwarten. Allerdings startet die Skitour zum Schochen am Giebelhaus, hinten im Ostrachtal. Dieses ist zwar über eine Straße zu erreichen, die aber für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist und man deshalb auf den Bus angewiesen ist. Der erste Bus fuhr um 10 Uhr in Hinterstein ab und war etwa 10:30 am Giebelhaus, der letzte zurück ging um 17 Uhr, d.h. wir hatten max. 6:30 Zeit für die Tour. Natürlich kann man auf der Straße auch die 10 km zum Giebelhaus laufen, das habe ich (hin- und zurück) aber mit schwerem Gepäck vor etlichen Jahren gemacht, als ich den dritten Advent mal im Winterraum des Prinz-Luitpold-Hauses verbracht hatte und zu der Zeit der Bus leider nicht fuhr. Ich schwor mir danach, freiwillig diesen elendig öden Asphalttalhatscher nicht nochmal zu machen.

Vom Giebelhaus zum Schochen sind etwa 6 km Horizontal- und 1100m Vertikaldistanz, das sollte mit den Busfahrzeiten also passen. Wir machten uns dann um 10:30 vom Giebelhaus aus erst recht flach über einen Forstweg auf ins idyllische Obertal. Die Gegend wurde glücklicherweise seinem Ruf als recht schneereiches Gebiet gerecht und wir hatten sehr schönen, reichlich gesetzten Pulverschnee. Am Talschluss ging es dann, kontinuierlich steiler werdend, über sehr schöne Hänge auf den Schochen. Der Gipfelhang zieht bis gut 40° Steilheit an, was den ersten Teil des Spitzkehrensfestes darstellte. Obwohl es dann doch ordentlich steil war, ging es ob der Schneequalität ganz gut, allerdings wollten wir da irgendwann keine Kehre mehr verbocken, sonst hätte es wohl einen ordentlichen Abgang den Hang hinunter gegeben. Der Gipfel wurde aber ohne Zwischenfälle erreicht und damit auch das erste Mal Sonne an dem Tag, weil der Aufstieg komplett im Schatten verlief, was aber der Schneequalität zuträglich war. Die Aussicht vom Gipfel auf die unmittelbar daneben befindlichen Höfats sowie den Schneck im Winterkleid war schon beeindruckend und eine kleine Zugabe zur folgenden, herrlichen Abfahrt. Diese war nämlich ob der Steilheit, der großzügigen Hänge wo man noch seine eigenen Spuren legen konnte und des tollen Schnees vom Feinsten. Ok, die paar Kilometer am Schluss die flache Forststraße rauszustöckeln war jetzt nicht ganz so prickelnd, aber man kann nicht alles im Leben haben und zudem ist ein veritables Oberarmtraining auch nie verkehrt. Wir haben dann den Bus um 15 Uhr zurück erwischt, waren also halbwegs zügig unterwegs und hätten noch reichlich Puffer gehabt. 

 

Die Skitour aufs Gaiseck

 

Das Gaiseck tags darauf war dann logistisch einfacher direkt von Tannheim aus startend zu erreichen und mit 1100m Aufstieg ähnlich lang wie die Tour auf den Schochen. Dieses hatte ich schon lange auf dem Schirm, die weithin sichtbare große Schneeflanke in der Nordseite lockt den Skibergsteiger einfach, auch wenn diese von weitem verdammt steil und ungängig aussieht. Aber viel mehr als 40° hat diese auch nicht, wenn auch die Steilheit doch deutlich länger anhält als am Schochen. Zuerst ging es gutmütig durch den Wald in ein schattiges Hochtal mit ausreichend Schnee, über das wir dann den etwa 400 m hohen und steilen Gipfelhang erreichten. Alleine waren wir wegen der guten Bedingungen dort natürlich nicht, was aber den Vorteil hatte, dass in den Steilhang eine recht gute Spur getreten war, die das zweite Spitzkehrenfest hinauf zum Gaiseck doch erleichterte. Vor mir liefen Zwei mit Splitboards, die netterweise dadurch die Aufstiegsspur noch schön verbreiterten. Auch wenn es gut ging, man musste hier schon konzentriert steigen, 40° sind halt immer noch 40° und beim Abrutschen hätte man wohl einen weiten Abgang den Hang hinunter gemacht. Wer keine Spitzkehren mag, sollte sich diese Tour eher nicht gönnen, davon bekommt man dort nämlich richtig viele. Aber auch hier erreichten wir ohne Zwischenfälle mit den Ski unter den Füßen das Gaiseck und auch bei dieser Tour damit das erste mal am Tag die Sonne, weil der Aufstieg ebenfalls komplett im Schatten verlief. Die anfangs steile Abfahrt war dann ebenfalls eine wahre Freude: der windgepreßte Pulverschnee war gut kontrollierbar und genüsslich abzufahren, selbst im steilen Gelände und es gab auch noch reichlich Platz für eigene Schwünge im unverspurten Schnee.

 

Wenn die Bedingungen passen kann ich beide Touren dem genussorientierten Skibergsteiger nur ans Herz legen, wenn es denn auch mal etwas steiler sein soll und einem das ein oder andere Dutzend Spitzkehren im Aufstieg nichts ausmacht.

 

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© Thomas Schaub