Winter daheim

Es ist Corona-Winter. Dadurch sind für mich die sonst üblichen Skitouren um diese Jahreszeit in den Alpen aktuell nicht wirklich zugänglich (Beherbergungsverbote, Ausgangsbeschränkungen, Quarantäne wenn man in den Nachbarländern war etc.). Also was tun?

 

Zum Glück gibt es ja noch die beiden nahen Mittelgebirge östlich- und westlich der Rheineben, vor allem da wir das erste Mal seit langem in selbigen wieder einen Winteranfang hatten, der seinem Namen auch gerecht wird. Und das hieß vor allem reichlich Schnee, selbst in sonst recht schneearmen Pfälzerwald, im Schwarzwald sowieso.

 

Also wurden nach Jahren wieder die Langlaufski ausgepackt, wenn die Bedingungen bei uns schon mal so gut sind. Und Langlaufen ist durchaus ein recht Corona-konformer Sport: Frische Luft, Einbahnstraßenverkehr auf Loipen, die Ski bedingen einen gewissen Grundabstand zu anderen und es hat keine Kulminationspunkte wie eine Skilift beim Alpinski.

 

Wenn dann noch nicht gespurt ist, wird es auf den Loipen eh einsam. Das nutze ich zuerst einmal zwischen den Jahren um zwei Tage hintereinander um die Hornisgrinde herum die Loipen einzufahren. Schnee hatte es dort ausreichend, aber die Loipen waren noch nicht gespurt, was mir als passionierter Tourengeher aber ziemlich egal ist. Wie man auch aus den Medien mitbekam, war ich um die Zeit aber nicht der Einzige, der den Schnee um die Schwarzwaldhochstraße genießen wollte. Allerdings war ich an beiden Tagen morgens zum Sonnenaufgang dort und habe die unberührten Loipen genossen (Ok, dafür durfte ich in Summe an beiden Tagen 31.8 km Loipe alleine spuren…). Als ich morgens ankam waren die Parkplätze an beiden Tagen noch leer. Auf den Loipen war ich alleine, ohne Spur zieht man wohl keine Langläufer an. Als ich allerdings als kurz vor Mittag wieder an die Parkplätze kam, war dort Land unter. Völlig überfüllt, weil Hinz- und Kunz aus den Ballungsräumen in der Rheinebene den Schnee genießen wollten (primär Schlittenfahrer und Winterspaziergänger). Ich sag’s immer: Früher Vogel fängt den Wurm!

 

 

Anfang Januar hatte es dann auch endlich ausreichend Schnee im wohnortnahen Pfälzerwald und ich konnte das erste Mal seit 2015 bei uns wieder Langlaufen gehen. Mangels Loipen im Pfälzerwald müssen es dafür die reichlich vorhandenen Forstwege tun. Mit >10cm Schneeauflage taugen die eigentlich ganz gut zum Langlaufen (man darf natürlich selbst spuren), auch wenn man als Langläufer im Pfälzerwald eher ein Exot ist. Als hochgelegener Start empfahl sich der Parkplatz Lolosruhe am Ende des Edenkobener Tals auf etwa 550m. Von dort ziehen einige Forstwege auf Höhe in Richtung Totenkopfhütte, welche ich ganz gut zu einer schönen etwa 11 km langen Loipe kombinieren konnte, die immer über 500m verlief. Auch hier war ein früher Start sehr ratsam. Dort war ich wieder zum Sonnenaufgang, der Parkplatz war noch leer und ich hatte meine Ruhe beim Langlaufen. Dann aber ein ähnliches Bild wie an der Hornisgrinde: Als ich am späten Vormittag zum Auto zurückkam Land unter auf den Parkplätzen. Wer will es den ganzen Leuten allerdings verdenken: Wenn es bei uns schon mal viel Schnee hat, dann will man auch raus, v.a. wenn aktuell die Alternativen bei der Freizeitbeschäftigung stark eingeschränkt sind. Und ich war genauso einer von denen…

 

 

Durch ein paar aktuelle Fotos vom Langlaufen im Südschwarzwald fixte mich meine Schwester dann an, auch mal eine präparierte Loipe aufzusuchen. Im Südschwarzwald hatte es nämlich richtig satt Schnee und die lokalen Skiclubs haben es sich, trotz Corona, nicht nehmen lassen, Corona, die Loipen zu präparieren. Ok, Langlaufen ist in der Gegend auch ein Breitensport und wie schon oben erwähnt, Corona-technisch eigentlich unkritisch. Also hatte ich mich Mitte Januar kurzfristig von Freitag auf Sonntag bei Mutter im Elternhaus am Fuße des Schwarzwaldes einquartiert, um bei absoluten Traumbedingungen mit der Schwester die durchaus anspruchsvolle „Stübenwasenspur“ zu laufen. Und wie zuvor war ein früher Start ratsam, um noch einen Parkplatz zu bekommen. Das hieß bei -11°C zum Sonnenaufgang loslaufen. Immerhin bewegt man sich bei der Kälte und beleibt nicht stehen, wobei einem beim Langlaufen durchaus warm wird, wenn man etwas Gas gibt. Die „Stübenwasenspur“ ist wirklich toll und trotz vollem Parkplatz am Start verteilten sich die ganzen Langläufer sehr gut über die gut 20 km lange Loipe, v.a. da Einbahnstraßenverkehr herrschte. Das war wirklich eine tolle Tour mit immer wieder großartiger Fernsicht zu den Vogesen und den Alpen. Gewundert haben mich allerdings die nicht gerade wenigen Skitourengeher auf der Loipe, die sich bei den Langläufern nicht so beliebt machten. Als Tourengeher kann ich auch nicht nachvollziehen, was die auf einer Loipe wollten. Das ist ob mangelnder Steilheit echt nicht das Gelände für Tourenski, wenn man irgendwie Spaß haben will, vor allem dann nicht, wenn gut ein Meter Pulver in den Hängen liegt und man top-Skitouren im gescheiten Skigelände machen könnte, dass es auch im Schwarzwald durchaus hat. Keine Ahnung, was die antrieb. Oder es waren halt blutige Anfänger… Mit leichten Langlauflatten und ohne Felle an den Ski macht eine Loipe auf jeden Fall viel mehr Spaß als mit der schweren Tourenausrüstung und man ist zudem deutlich schneller unterwegs.

 

 

Ob der guten Schneebedingungen wurde der folgende Sonntag dann auch gleich genutzt, um mit Sebastian eine Skitour im Südschwarzwald zu machen. Das Wetter war zwar nicht mehr so pralle, dafür hatte es reichlich Schnee und es ging vom Münstertal aus auf den Breitenauer Kopf. Die gleiche Toure hatten wir vor acht Jahren bei Traumbedingungen schon einmal gemacht und damals waren wir die einzigen Tourengeher weit und breit. Dieses Mal waren aber noch gut 15 andere Tourengeher dort unterwegs. Corona treibt wohl auch die Tourengeher in den Schwarzwald, der lange eher sowas wie ein Geheimtipp mit lokaler Bedeutung oder Verlegenheitslösung war, wenn man mal nicht in die Alpen gurken wollte oder die Bedingungen dort zu schlecht waren. Wobei bei gescheiten Bedingungen kann man auch richtig gute (und teils steile) Skitouren im Schwarzwald machen. Klar, wenn man Höhenmeter sammeln will muss man halt öfters wieder auffellen, aber das lässt sich verschmerzen.

 

 

Trotz Dauernässe oder Schnee, ließ sich in der Zeit sogar noch das ein oder andere in der Pfalz klettern, vor allem machten die verschneiten Felsen auch optisch was her. Bei der obligaten Jahreserstbesteigung am Neujahrsmorgen war es zwar leider nur nass am Dimturm, dafür hatte wir eine Woche später am Krötenstuhl schönen Schnee bei Sonnenschein. Ein herrlicher Tag, um sich noch die Jahreserste am Krötenstuhl zu holen um danach am Lagerfeuer ein paar Würstel zu grillen. Auch ein wirklich schönes Programm.

 

 

 

Bei diesen Alternativen ließ es sich bislang dann doch leichter verschmerzen, dass mit Skitouren in den Alpen erst einmal nichts drin war und wohl auch die nächste Zeit nicht ist. Hoffen wir mal, dass es bei uns entweder noch viel Schnee bis ins Frühjahr hat, um dem Wintersport hier in den Mittelgebirgen nachzugehen oder dass es trocken genug wird, um in der Pfalz zu klettern. Dann wäre es ein durchaus gelungener Winter daheim, trotz der lästigen Rahmenbedingungen. 

 

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© Thomas Schaub