Top of Furka: Galenstock (Juli 2023)

 

Der Galenstock (3568m), der dominante Gipfel der mit seiner markanten Firnhaube über dem Furkapass thront. Begehrt und beliebt als hervorragender Hochtourengipfel und Aussichtswarte par excellence. Und seit mehr als zehn Jahren will ich diesem Berg schon auf Haupt steigen, war ich doch mittlerweile so oft am Furka zum Klettern oder auf Skitouren. Aber irgendwie hatte es bislang nie geklappt. Der Versuch eines Alleinganges über den Nordgrat im Oktober 2011 scheiterte kläglich (siehe: Alleingänge). Bei einer Skitour 2017 gingen Stefan und ich dann spontan doch auf den Nachbargipfel, den Tiefenstock und den Sommer darauf ging ich mit der Frau auch noch mal auf den Tiefenstock, obwohl der Galenstock auch nicht schwerer gewesen wäre. Immerhin kam ich bei diesen Aktionen zu einigen schönen Aufnahmen dieses markanten Gipfels aus verschiedenen Perspektiven, hier erkennt man dann auch, warum der Galenstock die Bergsteiger anzieht.

 

 

Aber gut Ding will Weile haben und Ende Juli 2023 klappte es dann endlich zusammen mit Stefan. Am Sonntag (30.07) und Montag (31.07) gab es ein Wetterfenster in ansonsten eher verregneten Wochen. Kurzfristig bekamen wir noch zwei Betten in der Siedelenhütte, also Samstagmorgen um fünf in der Pfalz los in Richtung Grimselpass. Da Samstag vormittags das Wetter noch eher durchwachsen war beschlossen wir, eine der gut eingebohrten und leichteren Plaisirtouren am Gerstenegg zu Kletten. Die sind zwar durchaus angenehm beewrtet, der Fels ist aber trotzdem allerbester Güte, also einfach Spaßklettern. Wir entschieden uns für die recht neue „King Albert“ (5a+, 10 SL). Schöne Plaisirplatten mit kurzem Zu- und Abstieg, die wir dann in nicht mal 3 Stunden machten (incl. Zu/Abstieg…). Das Wetter wurde dann besser, also weiter zum Furkapass. Da doch noch einiges an Zeit war bis es an der Siedelenhütte Abendessen gab, machten wir noch zwei Seillängen am schönen Hannibal-Turm, der nicht weit von der Hütte ist und an dem Stefan und ich auch schon vorher paar Mal zum Klettern waren. 

 

 

Nach zünftiger Abendkost und kurzer Nacht ging es dann am Montag um 5 Uhr morgen mit dem anbrechenden Tag los zum Galenstock. Ziel war die Besteigung über den SO-Sporn (WS+, 3+, bis 40°Firn), der in diversen Führerwerken und Tourenberichten als sehr schöne und lohnende Hochtour angepriesen wird. 

 

Galenstock SO-Sporn von der Siedelenhütte aus; Rot: Aufstieg, Gelb: Abstieg (zum Furkapass)

 

 

Zuerst hatschten wir über viel Schutt am Hannibal-Turm vorbei auf den sterbenden Siedelengletscher. Diesen ein Stück hoch, bis es über Firn und Fels in einem Bogen in Richtung des SO-Sporn ging. Nach etwa 2 h waren wir dann an selbigem. Zuerst war es noch I-IIer Gelände in recht schuttigem Material, welches wir erst mal noch unangeseilt hochkreuchten. Aber nach etwa 100 m wurde der Fels dann richtig fest, steiler und die erste IIIer Stelle kam. Gut mit Haken versehen kletterten wir dann am kurzen gleitenden Seil den Rest des Sporns. Auf die Art ist man zwar noch irgendwie gegen Absturz gesichert wenn als noch mindesten eine Sicherung eingehängt ist, fallen sollte man trotzdem nicht, sonst tun sich beide ziemlich weh. Allerdings ist das ein Schwierigkeitsgrad, der bei uns beiden sitzt und auf die Weise kommt man halt sehr schnell voran. Aber der Fels war da wirklich super und die Kletterei einfach ein Genuss in genialer Position im Hochgebirge. Nach etwa einer Stunde waren wir über den Sporn und erreichten die große Gipfelflanke. Dort ging es erst flacher weiter über Firn uns Schutt bis dann die markante Gipfeleiskappe kam. Mit den Steigeisen an vorsichtig weiter über die Eiskappe, mit respektablem Abstand zu den großen ostseitigen Wechten. Meist war es griffiger Firn da wir noch früh dran waren, leider aber auch paar Stellen hartes Blankeis, wo ich mich nicht gar so wohl fühlte. Um 9 errichten wir dann bei bestem Wetter und Aussicht als erste an dem Tag den Gipfel (nach uns kamen noch sehr viele Seilschaften über den SO Sporn hoch, zum Glück waren wir schnell).

 

Und was soll ich sagen, die Aussicht war wirklich überragend! Der Galenstock liegt halt schon so ziemlich in der Mitte der Alpen. Nach Westen eine perfekte Sicht auf die großen Berner Gipfel wie Finsteraarhorn, Schreckhorn, Lauteraarhorn, Aletschhorn und dann natürlich alle Walliser 4000er und sogar noch den Mont Blanc ganz im Westen. Aber auch bis weit in die Ostalpen reichte der Blick und nicht zu verachten der Tiefblick auf den großen Rhonegletscher und die ganzen umliegenden Urner Granitgipfel. Wirklich absolut lohend!

 

Im Abstieg ging es dann erst mal wieder die Firnkuppe runter bis zu einer Abseilpiste am Galengrat. Dort mit 8-mal Abseilen (inkl. Lustiger Standplatzgitter in der Abseilpiste) wieder an den Fuss des SO-Sporns und auf bekannter Route zurück zum Furkapass. In Summe hatten wir 7:55 h gebraucht, was doch bissle schneller ist als die im Führer angegebenen 11h. Das war wirklich eine absolute Genußhochtour und von allem was dabei: Gletscher, Granitkletterei, Firngrat. Das Ganze noch bei Top-Bedingungen: Trocken, griffiger Firn, kaum Wind, tolle Fernsicht. Manchmal lohnt es sich doch, ein paar Jahre zu warten und dann einen lang ersehnten Gipfel zu machen.  

 

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© Thomas Schaub