Silvrettapowder und Winterraumfreuden (2020)

Abendstimmung vor Piz Buin und Silvrettahorn, bevor es runter zur Wiesbadener Hütte ging

 

Die Silvretta als eines der klassischen Skitourenziele war bislang immer noch Terra Icognita für mich, warum auch immer, so weit weg ist dieser Teil der Alpen eigentlich auch nicht. Dies wurde aber endlich diesen Februar zusammen mit Stefan nachgeholt und es hat sich wirklich gelohnt: Hochalpines Ambiente, Powder vom Allerfeinsten und dazu noch ein komfortabler Winterraum in zentral gelegener Hütte.

 

Recht kurzfristig geplant wollten Stefan und ich am Wochenende 08/09.02 irgendwo Skitouren etwas höher hinaus machen und die Wahl fiel auf die Silvretta. Leider hatte es am WE zuvor ordentlich Wind und Neuschnee, so dass bis Mittwoch die Lawinenlage noch bei 4 lag, nicht unbedingt das, was man dort haben möchte. Durch etwas Sonne und gutes Wetter ging diese dann aber bis Samstag auf drei und Sonntag auf zwei zurück, für Samstag und Sonntag war allerbestes Bergwetter gemeldet, bevor von Sonntag auf Montag ein Sturm anzog, also nichts wie los und das Wetterfenster ausnutzen! Hit-and-Run-Taktik, wie wir beide es schon öfters gemacht haben und ich ob der konditionellen Stärke von Stefan bei solchen Touren dann als ordentlich auf dem Zahnfleisch gehe.

 

Samstag in der Früh fuhren wir in der Pfalz los und nach fünf Stunden waren wir in Partenen, wo es mit der Seilbahn und dann dem lustigen Tunnelbus (mit was für einem Zahn die Jungs mit den Kleinbussen durch die engen Stollen heizen, sehr interessant) auf die Bielerhöhe (2039 m) als Startpunkt ging. 

 

 

Als Aufstieg wählten wir das Bielertal, was sich doch etwas zieht, um dann den Rauhen Kopf (3101 m) als erstes Ziel anzusteuern. Bis zum Skidepot kurz unter dem Gipfel ist das Gelände eigentlich recht harmlos und weitläufig, so dass der Aufstieg unkritisch ist. Leider bin ich zu Beginn viel zu schnell losgerannt. Meine üblichen Skitourenpartner sind normal auch nicht so die Renner, weshalb ich dann meist schnell das Tempo rausnehme oder einige Pausen einlege. Blöderweise hatte Stefan das Tempo mitgehalten und ich mich dann doch etwas übernommen. So dann wurde es bis zum Skidepot auf 3000 m für mich am Schluss etwas zäh, dazu noch die Höhe und der Airbagrucksack war auch noch schwerer als gewohnt (Schlafsack, Steigeisen, Kocher, Essen etc.). Die paar Meter Schrofengehatsche zum Gipfel sparte ich mir dann um mich in der Sonne zu erholen, ich wollte ja auch noch Spaß in der Abfahrt haben, während Stefan noch den Gipfel mitnahm.

 

Die Abfahrt über den Rauhkopfgletscher war dann aber ein Traum im Pulver: weite Hänge und ein butterweicher Schnee, in dem sogar ich schöne Zöpfe flechten konnte. Wir querten dann runter zur Wiesbadener Hütte, um dort im Winterraum für die Nacht Quartier zu beziehen, da die Hütte erst ab Ende Februar bewirtet ist. Ich hatte mich eigentlich, aus Erfahrung an bisherige Nächte in Winterräumen, auf eine öde, kalte, einsame und unbequeme Nacht eingestellt. Pustekuchen! Der „Winterraum“ der Wiesbadener Hütte besteht aus drei gemütlichen Zimmern mit je 10 Betten und ausreichend warmen Decken, einem Aufenthaltsraum mit einem großen Ofen und viel Kochgeschirr, zwei innenliegenden Plumsklos (OK, die waren olfaktorisch jetzt nicht so der Hit, aber besser als draußen im Schnee zu schei.… äh sein Geschäft zu verrichten) sowie einem ordentlichen Holzvorrat zum Heizen. Den Ballast von Kocher, Gaskartusche und Schlafsack im Rucksack hätte ich mir schenken können. Der komfortable Winterraum ist wohl kein Geheimtip, so dass wir in der Nacht 15 Leute dort waren. Nix Einsamkeit und das Alpinradio war im Aufenthaltsraum auf Dauersendung. Da haben einige wohl ihr ganzes Tourenbuch rezitiert. Gut, warum nicht Touren machen und darüber erzählen, ich schreibe hier auch gerne, was ich so gemacht habe. Wenn es aber fünf Leute gleichzeitig machen, naja, gibt es ein Durcheinander. Nach einem ordentlichen Topf Pasta von Chef Stefan wurde es dann eine ziemlich warme und erholsame Nacht, wie ich es auch von einer bewirteten Hütte gewohnt bin.

 

Nach ein paar Kaffee und Riegeln am Morgen ging es dann um kurz nach sieben zu unserem nächsten Ziel, der Dreiländerspitze (3197 m). Bis kurz unter dem Gipfel ist es recht sanftes und weitläufiges Gelände, zieht dann aber im Gipfelhang bis über 40° an, gekrönt von ein paar Metern ausgesetztem Felsgrat. Bis zum Gipfelhang war es noch entspanntes Gehen, der wurde aber irgendwann ziemlich verharscht und steil, so dass mit Ski nichts mehr ging. Also Steigeisen und Pickel raus, um sich die letzten steilen Meter bis zum Grat auf etwa 3150 m hochzuarbeiten. Auf dem Grat angelangt war das Gipfelkreuz nicht mehr weit, mir fehlte da aber die Muße, noch in Skistiefeln seilfrei die schneedurchsetzten Felsen an Bohrhaken vorbei hochzuturnen. Also genoss ich wieder die Sonne am Grat bei ein paar Kippen, während Stefan noch bis zum Kreuz kletterte.

 

Zurück zum Skidepot konnten wir dann wie am Vortag eine geniale Pulverabfahrt durch das prädestinierte Skigelände dort genießen und eifrig Zöpfe flechten. Einfach herrlich! Aber nach der Abfahrt kommt der Aufstieg. Die Abfahrt durch das Ochsental zur Bielerhöhe lockt nicht wirklich, weil es am Silvrettastausee am Ende ein paar Kilometer topfeben rausgeht. Also kurz vor der Wiesbadener Hütte nochmal aufgefellt und in Richtung Rauher Kopf 300 hm aufgestiegen, um durch das Bielertal abzufahren. Die Abfahrt dort war, wie könnte es anders sein, wieder ein Traum im butterweichen Pulver. Viele Zöpfe inklusive. An der Bielerhöhe dann mit Tunnelbus und Seilbahn zurück zum Auto, um pünktlich zum Abendessen bei der Liebsten zu sein. Ich war zwar etwas erledigt, dafür hatten wir Traumbedingungen und Abfahrtstechnisch war es wirklich genial.

 

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© Thomas Schaub