Tapetenwechsel – Alpstein Juni 2021

 

Endlich mal wieder ein Tapetenwechsel nach der zähen Zeit seit letztem Oktober durch die ganzen Corona-bedingten Reisebeschränkungen! Eine Woche im Alpstein zum Wandern und Klettern bei zwar durchwachsenem Wetter aber es tat uns mal wieder richtig gut rauszukommen!

 

 

An der Stelle will ich zuerst etwas ausholen wie es zu diesem Urlaub kam, denn eigentlich war, im zweiten Versuch, eine Woche Korsika geplant, aber in Pandemiezeiten ist es mit der Planungssicherheit eh nicht weit her. Ursprünglich hatten wir eine Woche Korsika Anfang Juni 2020 noch vor Beginn der Pandemie gebucht. Unsere Fährverbindung wurde damals allerdings storniert und ich konnte die Tickets kostenfrei auf Juni 2021 umbuchen. Tja, drei Wochen vor Reisebeginn war Frankreich aber immer noch als Hochrisikogebiet eingestuft (ergo Quarantäne bei Rückkehr), es gab auch diverse Einschränkungen für die Einreise nach Frankreich und zudem hätten wir auf dem Weg dorthin mit dem Auto noch zwei weitere Länder, Schweiz und Italien, durchqueren müssen, die auch noch ihre eigenen Regeln hatten. War das früher im alten, gewohnten Schengenraum ohne Coronaeinschränkungen noch einfach zu reisen, da wäre man einfach hingefahren ohne sich weiter einen Kopf zu machen. Zudem war zu dem Zeitpunkt auch noch nicht klar, ob die Beherbergungsbetriebe auf Korsika für Nichtfranzosen geöffnet haben. Da uns das alles zu unsicher war und die Aussicht auf eine Woche daheim zu hocken auch nicht sonderlich verlockend war wurde, mal wieder, umgeplant. Da die Schweiz zu dem Zeitpunkt keine Einreiseeinschränkungen für uns hatte, dort die Beherbergungsbetreibe offen waren und es nur noch als Risikogebiet eingestuft war, konnten wir uns mit einem negativen Schnelltest innerhalb 48h nach Rückkehr von der Quarantänepflicht befreien lassen. Als Ziel wurde dann das Toggenburg in der Ostschweiz ausgewählt, wo ich früher oft zum Skifahren und auch schon einige Male zum Klettern im Alpstein war. Quasi vertrautes Gebiet, aber trotzdem etwas anderes als der Pfälzerwald, in dem wir die letzten 9 Monate mehr als genug waren. Eine Woche in einer Ferienwohnung in Unterwasser in der zweiten Juniwoche wurde gebucht und gut war. Der Plan war auch, dann einfach die Fährtickets für Korsika verfallen zu lassen und die 400€ dafür unter Coronakosten abzuschreiben, da ich damals, vor Pandemiebeginn, natürlich blöderweise die billigste Ticketkategorie gebucht hatte, die man nicht stornieren kann. Tja, drei Tage vor Antritt der geplanten Korsikareise stellte sich dann heraus, dass die Entscheidung auf die Schweiz auszuweichen eine sehr gute war, denn die gebuchten Fährverbindungen wurden mal wieder von Corsica-Ferries gestrichen, weshalb ich die Tickets noch einmal wieder kostenfrei umbuchen konnte. Also geht es deshalb (voraussichtlich…) im Oktober 2021 im dritten Anlauf nach Korsika.

 

Der Urlaub im Toggenburg war dann vom Charakter her ein Hike-and-Climb-Urlaub, was auch dem durchwachsenen Wetter in der ersten Hälfte geschuldet war. Zudem lag durch den kalten April und Mai noch ab 1700m ungewöhnlich viel Schnee für dieses Jahreszeit, was den Zustieg zu einigen höherliegenden Kletterzielen, wie dem Altmann, zu arg erschwerte. Andererseits hatte dies den Vorteil, dass in der Woche dort im Gebirge so gut wie niemand unterwegs war und wir endlich mal wieder eine gewisse Bergeinsamkeit genießen konnten, was nach dem ganzen Trubel bei uns daheim im Wald seit Pandemiebeginn wirklich extrem angenehm war. In den sieben Tagen kamen wir aber immerhin auf 5244hm Aufstieg, 70km gelatschte Wegstrecke und 24 gekletterte Seillängen um wieder etwas in Form zu kommen, vor allem da im August etwas höhere Berge auf dem Programm stehen.

 

Und hier zu den einzelnen Touren.

 

1. Tag: Unterwasser -  Thurwasserfälle

Ein schöner Spaziergang im Regen am Anreisetag zu den netten Thurwasserfällen, die um diese Zeit ob Schneeschmelze und viel Niederschlag durchaus beeindruckende Wassermengen führten.

 

 

 

2. Tag: Alt St. Johann – Hinterrugg – Chäserrugg – Unterwasser

An diesem trüben, regnerischen Tag wurden zwei Churfirstengipfel vom Tal aus angegangen. Von Alt St. Johann durch den Wald auf die Alp Selamatt und dann auf den Hinterrugg, den höchsten der Churfirsten. Glücklicherweise ging der Aufstieg über dessen windexponierten Westrücken, bei welchem an der Westseite der Schnee abgeblasen war, so dass wir dort erst ganz oben wirklich Schneestapfen durften, von einigen kleineren Schneefeldern im Wald unten abgesehen. Leider war es mit der eigentlich tollen Aussicht vom Hinterrugg zum Walensee runter nichts, der Gipfel hing im zähen Nebel. Also den noch sehr winterlichen Verbindungskamm rüber zum Chäserrugg und dem dort erstaunlicherweise geöffnetem Gipfelrestaurant einen Beuch für eine Käsespätzle- und Most-Boxenstopp abgestattet. Bis dahin begegnete uns in den gut 1400hm Aufstieg keine Menschenseele (im Abstieg dann auch nicht) und auch im Restaurant herrschte, wohl ob des Wetters, gähnende Leere. Gut gestärkt ging es dann im Schnellabstieg auf den Hacken abrutschend im Sulzschnee die noch mit Schnee belegte Skipiste bis zum Stöfeli runter und von dort auf dem Wanderweg zurück ins Tal.

 

 

3. Tag: Wildhaus – Mutschen – Zwinglipass – Wildhaus

Für den Tag war wieder beständig und viel Niederschlag gemeldet, also wurde eine weitere Wanderung angesetzt. Auf den Mutschen bin ich in den vergangenen Jahren schon dreimal allein im Winter mit Ski gestiegen und ich wusste, dass man diesen einfachen Gipfel eigentlich bei allen Bedingungen hochkommt. In dichte Regenmontur gepackt starteten wir im ergiebigen Regen den Flürentobel hoch. Entgegen der Wettervorhersage hörte nach gut einer Stunde der Regen auf. Weiter ging es gemütlich durch den Talgrund auf bequemen Alpweg und ab etwa 1600m war dann Schneestapfen bis zum Mutschensattel angesagt. Es regnete zwar nicht mehr aber es war stark bewölkt, so dass es leider nichts mit der normalerweise tollen Aussicht vom Mutschen aus war. Zumindest ab und zu konnte man durch Wolkenlücken die Kreuzberge und das 1500m tiefer liegende Rheintal erkennen. Da sich das Wetter immer noch hielt ging es dann über den Zwinglipass im Schnee zurück nach Wildhaus. Da sahen wir auch, dass es zum Altmann hin noch sehr viel Schnee hatte, weshalb dieser als Kletterziel für die nächste tage verworfen wurde, die Aussicht mit dem Klettergerödel durch den ganzen Sulz zu stapfen war nicht sonderlich verlockend. Pünktlich als wir wieder am Auto waren setzte dann ein ordentliches Gewitter ein, also wieder mal alles richtig gemacht. Auch bei dieser Tour sind wir den ganzen Tag niemand anderem begegnet, das war aber sicher den Bedingungen geschuldet.

 

 

4. Tag: Klettern Stoss

Für den Tag war zumindest von früh morgens bei etwa 13 Uhr ein regenfreies Wetterfenster gemeldet. Nach den zwei Wandertagen war uns dann auch nach Klettern und wir wählten den Großklettergarten Stoss als Ziel, da dieser auch mit einer Stunde den für Alpsteinverhältnisse kürzesten Zustieg für ein Kletterziel aufweist. Zuerst machten wir die schöne und einfach Mehrseillängentour „Via Gondor“ (4c, 6 SL) die erstaunlicherweise schon trocken war, vom Schneefeld am Einstieg abgesehen. Eine der typischen moderneren leichten Plaisirtouren durch recht grün-schrofiges Gelände, wobei die eigentliche Kletterei aber immer durch sehr schönen, wasserzerfressenen Fels geht. Die Botanik rechts und links davon muss man halt einfach ausblenden. Da das Wetter immer noch hielt ging es dann an die sehr schöne Wasserrillenplatte des Klettergarten Stoss, wo die Routen immerhin auch bis zu gut 50 m haben. Zuerst machten wir herrliche Kletterei „Heinz“ (5b+, 47m) an genial tiefen Wasserrillen. Das habe ich irgendwie als Mix aus Spreizkamin und liegendem Schulterriss geklettert und fühlte sich dadurch auch eher an wie ein klassischer Vierer… Anschließend dann noch das „Schlitzohr“ (4a, 40m), nachdem dann der vorhergesagte Regen einsetzte und wir uns wieder gen Tal verzogen. Auch dort am Stoss war außer uns niemand.

 

 

5. Tag: Rasttag Säntis und Shopping

Da es sehr gewittrig gemeldet war, war Ruhetag angesagt. Da ich noch nie auf dem Säntis war, investierten wir ein paar Franken um den Lift hoch zu nehmen. Glücklicherweise schaute bei Ankunft der Gipfel grad so aus den Wolken, so dass wir sogar noch eine brauchbare Aussicht hatten und dort keine Sau, ob Wetter, unterwegs war. Die ganzen netten Ausstellungen in den Gipfelbauten nahmen wir dann auch noch mit, es war ja eh nix los. Anschließend nach Buchs zum Shopping, die Läden waren ja alle normal geöffnet, was nach dem langen Lockdown bei uns auch mal was Schönes war.

 

Auf dem Sänits; Obwohl sonst niemand dort war, war halt Maskenpflicht...

 

6. Tag: Schafbergkante

Endlich ein Tag, für den stabiles, niederschlagfreies Wetter gemeldet war. So konnte ich dann endlich mal eine seit mehr als einem Jahrzehnt auf meiner Wunschliste stehende tour abhaken, die klassische und beliebte „Schafbergkante“ (5a,A0 oder 5c+, 12 SL) and der Schafbergwand. Bei unseren früheren Skiurlauben hatte wir unsere Unterkunft immer unter der Schafbergwand und wie oft blieb mein Blick an der markanten Linie der SchafbergTapetekante hängen. Endlich hatte ich mit Susanen jemand dabei, der das auch machen wollte, das Wetter passte und es war, da Donnerstag und keine Ferienzeit, mit wenig Andrang zu rechnen. Ich war zwar mit Stefan vor Jahren schon mal an der Schafbergwand zum Klettern, damals machten wir aber „Da muesch en Dickä schickeä“ (6a+), die durch die Wand selbst ging. Start in Wildhaus und übers Gamplüt hoch zum Einstieg. Die Kante selbst sah trocken und war sie auch fast überall, leider nicht an der steilen Crux-Seillänge (5c+ frei oder 5a,A0), die war nämlich pissnass. Glücklicherweise steckten aber genau da die Haken im Meterabstand, so dass diese zehn nassen Meter kurzerhand A0 gelöst wurden. Die Tour an sich ist eine klassische Kletterei, bis auf die Crux-Länge nur sehr sanft mit Bohrhaken saniert, in bestechender Linie über die markante Westkante der Schafbergwand. Gerade in den leichten Längen darf mal viel selbst Hand anlegen, was die Absicherung betrifft und man sollte auch etwas ein Auge haben, wo es lang geht, da man sich an einigen Stellen doch etwas verhauen kann, was meist nicht so schlimm ist, da man eh immer wieder auf der Kante landet. Wie vorhergesehen war außer uns niemand dort und wir konnten die Route ganz in Ruhe alleine klettern. Nach den zwölf Seillängen der eigentlichen Kletterei wählten wir dann die zweimalige Abseile auf die Flanke des Schafberges und dann zu Fuß, nach Fressstopp im Gamplüt, gen Tal zu steigen. Das Wetter war stabil, die Route wirklich supertoll in landschaftlich hervorragendem Setting. Endlich mal, nach vielen Jahren, konnte ich diese Route klettern und dann noch zusammen mit der Liebsten.

 

 

7. Tag: Brülsiau – Kreuzberg III Breites Südrippli – Brüslisau

Für den letzten Tag war dann endlich mal wirklich hervorragendes, sonniges Wetter gemeldet. Als Ziel waren die herrlichen Kreuzberge angesetzt, ein Kletterziel mit einer Fülle an schönen, einfachen Touren in beeindruckender Atmosphäre. Die Kreuzberge sind acht Gipfel in einer Ketter die aus einer riesigen senkrecht aufgestellten Schrattenkalkplatte bestehen, die sich mehr als 1500 m über dem Rheintal erhebt. Das einzige Manko ist, dass die Zusteige recht lang sind für eine Tagestour, weshalb ich bei meinen letzten beiden besuchen dort auch immer ein Wochenende dort bleib und am Mutschensattel biwakierte (siehe z.B. auch: Fünf aus Acht). Wir wollten es aber als Hike-and-Climb-Tagestour angehen und dafür gitb es eigentlich drei Zustiege: Zum einen von Wildhaus her in etwa 3.5 Stunden über den Mutschensattel, siehe auch die Tour an Tag 3. Da dort aber noch viel Schnee lag wollten wir das Klettergerödel dort nicht durchschleppen und zudem waren wir ja ein paar Tage vorher schon dort. Dann gibt es den südseitigen Zustieg von Sax aus auf etwa 800m startend. Das ist zwar von der Wegstrecke her der kürzeste Weg, allerdings mit den meisten Höhenmetern, steil und prall südseitig ohne Schatten. Das war auch wenig verlockend bei der sonnigen Wettervorhersage. Dann gibt es noch den dritten, von der Wegstrecke her längsten Zustieg von Brülisau her. Und den wählten wir dann, vor allem, weil ich in der Ecke vom Alpstein noch nie war und die Wanderung zwar lang, aber landschaftlich sehr toll ist. Und vor allem kommt man dann im Abstieg am Berggasthaus „Bollenwees“ am Fählensee vorbei, welches bekannt für seine gute Küche ist. Also fuhren wir früh morgens erst einmal von Unterwasser eine gute Stunde um den ganzen Alpstein herum von Unterwasser nach Brülisau. Von dort ging es über bequeme Alpstraßen zur Bollenwees und dann zu Saxer Lücke. Von dieser dann hinüber zur Rosenalp und dann durch Altschneefelder das steile Gras in Richtung Scharte Kreuzberg III/IV, was schon mal gut 3.5 h Zustieg in Anspruch nahm. Leider war der zwar leichte, schorfige nordseitige Schartenzustieg recht erdig-keimig-nass und dadurch doch etwas unangenehm, v.a. da es doch Absturzgelände ist, so dass ich zu Ende dann doch mal das Seil auspackte um Susanne hochzusichern. In der Scharte startete dann die eigentliche Kletterei dort, nämlich das „Breite Südrippli“ (3c, 4 SL). Eine wirklich leichte, komplett eingebohrte Spaßroute in bestem Henkelkalk. Die Route lebt vor allem davon, dass man in einem beeindruckenden Setting hoch über dem Rheintal auf einer der Schichtkanten des Kreuzberg III klettern. Nach leider viel zu kurzer Kletterei genossen wir dann eine ausführliche Gipfelrast in der Sonne mit Aussicht zur Abwechselung, bevor wir uns an den Abstieg durch die Gipfelrinne machten. Die war leider noch ziemlich nass, so dass es doch ein etwas unangenehmes Abklettern/Rutschen zurück in die Scharte war. Von dort seilten wir dann den Schartenzustieg kurzerhand ab, man muss auch nicht ohne Not abklettern. Plaisirtour und so. Zurück über die Saxer Lücke dann zur Bollenwees für einen wirklich sehr lohnenden Röstistopp. Der Kletterführer hatte wirklich recht, das Essen dort ist super! Anschließend noch den Hatscher zurück nach Brülisau und dann war dieser Tapetenwechsel leider auch schon wieder vorbei. 

 

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© Thomas Schaub