Live Free or Die! (2018)

 

Dies ist das Motto des Staates New Hampshire im Nordosten der USA. Es war der erste Staat, der sich von der englischen Krone unabhängig erklärte, und das Motto wird dort immer noch hochgehalten, zumindest was man als Amerikaner unter Freiheit versteht: es gibt zum Beispiel keine Gurtpflicht beim Autofahren und auch keine allgemeine Einkommens- oder Mehrwertsteuer, auf der anderen Seite war es aber auch immerhin der erste Staat in den USA, der die voll gleichberechtigte gleichgeschlechtliche Ehe einführte.

 

Dorthin verschlug es mich im Juni 2018 für ein paar Tage und zwar in das Städtchen New London, typisches Ami-Hinterland. Durch die aktuell etwas angespannte politische Großwetterlage zwischen Deutschland und den USA war ich schon gespannt. Obwohl die Ostküste ja eher liberal geprägt ist, kann es in der Provinz doch meist etwas anders aussehen. 

 

 

New London liegt etwa zwei Stunden per Auto nördlich von Boston, aber die Fahrt dorthin ist durchaus als öde zu bezeichnen: Nur dicht bewaldetes Hügelland, sobald man Boston verlässt. Ab und zu gibt es noch ein paar Seen, das war es soweit. Ich vermute mal Angeln und Jagen stehen dort als Freizeitbeschäftigung recht hoch im Kurs.

 

New London selbst wirkt wie eine pittoreske Filmkulisse und bietet ein Ortsbild, wie man es aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt: Ein Backsteincollege, viele Holzhäuser, gepflegte Vorgärten, Motel, Barber-Shop, Holzkirche, eine prototypische Feuerwache, eine für ein 5000 Seelennest überdimensionierte Polizei mit drei Streifenwagen und natürlich so gut wie an jedem Haus mindestens eine USA-Fahne. Der Ort ist sehr aufgeräumt, gut in Schuss und verbreitet einen angenehmen Neuengland-Charme. Drumherum dichte Wälder, Hügel, Seen und Moore.

 

 

Allerdings wirkt New London, wenn man von den Autos absieht, als ob es in den 50er- oder 60er Jahren stehengeblieben ist. Die lokale Bevölkerung war durchaus als herzlich und geschwätzig zu bezeichnen, so wie ich Amerikaner kennen gelernt habe und auf ihre Art auch mag. Gefühlt bestand die Bevölkerung allerdings nur aus Nachfahren von Europäern, was sich im Nachhinein durch eine kurze Recherche bestätigte: 96,5 % weiße Bevölkerung (siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/New_London,_New_Hampshire ).

 

Kurzum: Der Ort wirkte wie tiefstes Trumpland und scheinen die Art USA zu sein, welches der aktuelle POTUS wohl am liebsten hätte.

 

Tja, man sollte sich nicht von Oberflächlichkeiten täuschen lassen. Bei der letzten Wahl gingen in New London 1807 Stimmen an Clinton und 1101 an Trump (Quelle: https://www.nytimes.com/elections/results/new-hampshire ). Also klares Demokratenland, wobei in den Vorwahlen der Demokraten der für US-amerikanische Verhältnisse sehr linke Bernis Sanders dort gewonnen hat. Nix Trumpland.

 

Live Free or Die!

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© Thomas Schaub