Korsika – Der große Spielplatz im Mittelmeer (Oktober 2021)

 

Endlich hatten wir es auch mal geschafft, dem kleinen aber feinen Hochgebirge im Mittelmeer einen Besuch abzustatten. Und wir wurden nicht enttäuscht: die Insel wurde ihrem Ruf gerecht und ist ein hervorragender, großer Spielplatz für diverse Natursportarten. In den zwölf Tagen auf der Insel konnten wir in fantastischen Granit klettern, tolle Wanderungen unternehmen, sowie im Meer paddeln, Reiten und auch etwas Canyoning machen. Die entschleunigende Anreise erfolgte per PKW und Nachtfähre, was den Vorteil hatte, dass wir reichlich Material für die diversen Unternehmungen, wie zum Beispiel das eigene Boot, mitnehmen konnten. Anfang Oktober ist dort schon etwas außerhalb der Saison und gerade in den höher gelegenen Gebieten konnte es da schon etwas frischer werden, v.a. sehr windig. Also, warme Klamotten zu der Jahreszeit einpacken, wenn man ins Gebirge will, auch wenn das Meer noch gut 22°C hatte. Zu den einzelnen Unternehmungen, hier nun mehr Details:

 

 

Klettern

 

Auch wenn in Korsika an Rhyolith und etwas Konglomerat (Paglia Orba) geklettert werden kann, bekannt in Kletterkreisen sind vor allem die reichlichen Granitklettereien auf der Insel, und das aus gutem Grund: der Granit in Korsika zeichnet sich nämlich durch die einzigartige Tafoni-Verwitterung aus, die zu bizarren Felsstrukturen führt, welche aber mit großem Spaß beklettern werden können. Klar, gesteinstypisch hat es auch Platten- und Risse, aber die Tafoni sind wirklich das Salz in der korsischen Granitsuppe. Und es hat sehr viel Fels dort, besonders dicht gedrängt sind gute Klettertouren in der Bavellaregion, weshalb wir dort auch die erste Hälfte unseres Urlaubs verweilten (die zweite Woche waren wir dann in Calvi an der Küste). Es hat zwar mittlerweile etliche voll mit Haken ausgerüstete Einseillängenklettergärten, aber ehrlich gesagt, man sollte sich dort dann schon die längeren, eher klassisch abgesicherten Routen gönnen. Denn dort ist meist mobil absichern Trumpf, zumindest dort, wo es geht. Man sollte in solchen Wegen auch ein gewisses Gespür für die Routenfindung mitbringen. Gerade in den Tafoni-Wandbereichen mit vielen Schlingen ob der allfälligen Sanduhren, wobei man auch oft Fixschlingen auffindet, ob man diesen allerdings vertraut, obliegt der Einschätzung des Begehers (ich habe mal munter alles an Schlingen geklippt, was ich vorgefunden hatte…). Die vier Routen, die wir gemacht haben waren allesamt super, in ganz tollem Fels. In der Bavellaregion kletterten wir hierbei die „Arête NO“ (V+, 150 m) an der Punta Caletta, die „Sud“ (VI-, 160 m) and der Croce Leccia und die „La Perillat“ (VI+, 200 m) am Castellucciu d´Ornuccio, ein gutes Ziel an windigen Tagen. Das absolute Highlight war dann aber die „Candella di l´Oro“ (VI-, 200m) and der Spenicazzia im Rivisecco-Tal bei Corte. Die vierte Seillänge dort ist eine steile 45m-Tafoniwand die erstmal übel wild aussieht, dann aber doch für nur V geklettert werden kann (die schwerste Länge der Tour ist die unscheinbare Einstiegslänge…). Solch surrealer aber wahnsinnig toll zu kletternder Fels ist mir bislang nur selten unter die Finger gekommen. Wie drückte es die Liebste so schön aus: „Das ist wie Fels auf LSD“. Das hat dann auch für die 2h Anfahrt und den wirklich steilen Zustieg entschädigt.

 

 

Wandern

 

Wie eingangs geschrieben, Korsika ist ein kleines Hochgebirge im Meer und dadurch natürlich auch prädestiniert als ganz tolles Wandergelände mit Meerblick. Sehr bekannt ist natürlich der GR20, der sich längs durch das ganze Gebirge schlängelt. An fünf Tagen hieß es bei uns Wandern, wobei wir auch immer mal über den GR20 stolperten.

 

Die erste Wanderung mit ein paar (sehr leichten) Klettereinlagen führte uns vom Bavellapass auf die „Punta Velaco“, ein schöner Aussichtgipfel mit Blick über die ganze Kette der „Aiguilles di Bavella“, wobei wir beim Abstieg noch das lustige Felsloch dort in der Nähe mitnehmen konnten. 

 

 

Ein etwas längerer Bergwanderung führte dann vom Bavellapass aus in die andere Richtung durch eben diese Aiguilles di Bavella, bei der wir noch durch einfache Krabbelkletterei die „Punta di a Vacca“ als Gipfel mitnehmen konnten. Zuerst ging es durch die wilde Felskulisse dieser Granittürme, gefolgt von einer langen Querung zurück durch hutzeligen korsischen Kiefernwald. 

 

 

Ein ganz anderes Landschaftsbild bot dann die Besteigung des „Monte Senino“ an der Westküste, der als steiler Felsgipfel am Ende einer Landzunge weit vorgehschoben die Grenze zwischen zwei Buchten bildet. Wildes Wanderglände, aber gut mit Steinmännern markiert, so dass man dort dann, entgegen dem ersten Anblick, erstaunlich gut zum Gipfel kommt. 

 

 

Als wandertechnisches Highlight bestiegen wir dann die „Paglia Orba“, auch als Königin der korsischen Berge oder Matterhorn Korsikas bekannt. Tatsächlich ist dieser 2525 m hohe Berg von der Westküste oder aber auch von Osten betrachtet ein sehr markantes, steiles Horn das aus der ganzen Gebirgskette hervorsticht, was diese Bezeichnungen schon rechtfertigt. Von Süpen aus betrachtet, wo auch der Normalanstieg hochgeht, erinnert der Berg aber eher an einen Pudding oder eine Nacktschnecke, je nach Perspektive. Allerdings muss man sich den Anstieg trotzdem durch einen ordentlichen Zustieg verdienen und in den letzten 300 hm im Gipfelanstieg darf dann seilfrei in teils ausgesetztem Gelände bis in den zweiten Grad rauf geklettert werden (und natürlich auch hinunter). Der Gipfel besteht aus solidem Konglomerat und Sandstein und die Besteigung ist dann halt das übliche Rinnen- und Kaminklettern mit einigen Querungen, wie es in solchem leichten Klettergelände in diesem Gestein üblich ist (kennen wir noch gut genug von Meteora). Ein landschaftliches Highlight ist natürlich auch der Nachbargipfel „Capu Tafunato“ mit seinem riesigen Loch, welches besonders beim Aufstieg auf die Paglia Orba zur Geltung kommt. 

 

 

Reiten, Paddeln, Canyoning

 

Da wir beide als gerne einen Ausritt in schönen Landschaften machen, war auch in diesem Urlaub ein Reittag angesetzt. Eigentlich war der Plan, dass wir irgendwo am Strand rumreiten, nach unserer Meinung war ja das Landesinnere, ob sehr gebirgigerer Topographie, kein geeignetes Reitgelände. Die Suche nach einem Hof vorab war wg. diverser Sprachbarrieren nicht so ganz einfach. Die Liebste hatte es dann aber geschafft, 20 km von Calvi entfernt einen Hof aufzutreiben, der einen Tagesritt anbot, der auch für Einsteiger (als für mich; ich reite ja nur sehr sporadisch als mal im Urlaub) geeignet sein sollte. Ansonsten hatten wir nicht wirklich viele Infos. Nach ziemlicher Hektik bei der Anfahrt, weil der Hof im nirgendwo lag und Google-Maps uns völlig in die Walachei geschickt hatte, wobei ich beim Ausweichen auf einer typischen sehr engen korsischen Landstraße dann noch mein Fahrzeug in den Graben gesetzt hatte und ohne fremde Hilfe nicht mehr rauskam (herzlichen Dank nochmal an die beiden korsischen Bauarbeiter, die zwei Minuten nachdem ich die Karre in den Graben gesetzt hatte mit ihrem Pritschenwagen vorbeikamen und mich ohne viel Auflebens zu machen kurzerhand rauszogen; erstaunlicherweise ohne Schäden an meinem Gefährt!) fanden wir mit 30 minütiger Verspätung auf dem Hof ein. Nur um zu erkennen, dass wir auch einfach nach dem fetten Schild für den Reiterhof an der Hauptstraße 2 km die Schotterstraße hätten folgen können, anstatt uns auf Google-Maps zu verlassen… Tja, die „einsteigertaugliche“ Tagestour war dann nix mit irgendwie Strandritt oder so. Nein, es ging erstmal 3 h (!) nonstop mitten in die Berge und zwar auf Wegen/Pfaden, wo selbst die reiterfahrene Frau meinte „Hätte nie gedacht, dass man so Gelände reiten kann, da würde ein Deutschland niemand sein Pferd durchschicken“. Naja, ging irgendwie und ich konnte mich zum Glück im Sattel halten, auch wenn ich nach den 3 h, zig 100 hm und gut 15 km Wegstrecke schon etwas gar war, bis wir dann vom Arbo-Valley aus das schöne Bergdorf St. Antonio erreicht hatten, wo es dann erstmal ein ausgiebiges Picknick für unsere 5er-Gruppe und die Pferde gab. Susanne und ich gingen dann davon aus, dass wir auf dem Rückweg sicher jetzt irgendwo gescheite, breite und gut zu reitende Wege nehmen würde, vor allem auch, um die Pferde etwas zu schonen. Pustekuchen. Es ging dann nochmal 3h genau den gleichen Weg retour. Ergo 6h im Sattel an einem Tag und das in Gelände wo man sich die meiste Zeit ziemlich konzentrieren musste. Das Gesäß tat mir anschießend doch durchaus weh und immerhin war es auch der längste Tagesritt den meine Holde bislang gemacht hatte. Von dem her…

 

 

Einen der seltenen windstillen tagen konnten wir dann nutzen, um mit unserem aufblasbaren Kanu dann auch zum ersten Mal im Meer rumzupaddeln, bislang hatte dieses ja nur Süßwasser gesehen. Die Bucht bei Galerie bot sich hierfür an, da es dort recht geschützt ist und man gut mit dem Kahn ans Wasser kommt. Bei Sonnenschein im azurblauen Wasser an der Granitküste rumzupaddeln hatte schon etwas und mit dem Neopren an war auch der Sprung ins kühle Nass sehr angenehm.

 

Da das Neopren eh dabei war unternahmen wir am Bavella dann noch die Canyoningtour bzw. Gumpenwanderung oder wie man das auch immer nennt, durch die 17 Kaskaden des Plischellu. Eine der Schluchttouren, die man auch stromaufwärts und dann wieder retour machen kann, und zwar ohne Seil. Mit etwas Kletterei ließen sich die 17 Kaskaden nämlich zum größten Teil umklettern/durchschwimmen und zum Glück war das Neopren am Mann bzw. der Frau, denn sonst wäre es im Oktober ein überaus frisches Vergnügen gewesen.

 

 

Die Tage in Korsika waren wirklich sehr kurzweilig und abwechslungsreich, das Angebot an tollen Natursportmöglichkeiten ist fantastisch (alleine schon nur wegen des Kletterns lohnt der Besuch der Insel; daneben kann man dort natürlich auch fantastisch Essen) und im Nachhinein haben wir uns gefragt, warum wir nicht schon früher mal dort waren…

 
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© Thomas Schaub