Mal wieder Akklimatisieren und einen Sack abhängen: Weissmies (August 2022)

 

Und wie schon öfters durften wir Ende August das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden, nämlich Akklimatisieren in den Alpen für das Angehen höhere Ziele, denn im Herbst geht es wieder mal in die Anden. Als Ziel wurde das Weissmies angesteuert, dort gab es immerhin noch einen Sack aus dem Jahre 2019 für uns abzuhängen (Sack aufhängen = wenn man in einer Route gescheitert ist), siehe auch: Hochtouristen mit Bürgerpass. Ob das wirklich als Sack zählt ist natürlich eine Definitionsfrage, weil ich ja immerhin schon mal alleine die Weissmiesüberschreitung gemacht hatte (siehe: Alleingänge). Andererseits macht es das eigentlich noch schlimmer einen Berg nicht hochzukommen, den man paar Jahre vorher gemach hatte.

 

Aber auch egal, Vorteil am Weissmies ist, zumindest über den südseitigen Aufstieg, dass es spät im Jahr ein fast reiner Felsanstieg in munterer Krabbelkletterei ist und man erst fast ganz oben, so auf etwa 3970 m, auf Firn trifft. Das war vor allem in diesem Jahr, nach dem sehr schneearmen Winter und trocken-heißen Sommer nicht verkehrt, da viele andere leichte Ansteige über Gletscher auf andere Gipfel in nicht gar so prickelndem Zustand waren. Z.B. der nordseitige Normalaufstieg aufs Weissmies über die Gletscherflanke war den Sommer aufgrund Eisschlag schon eine Weile gesperrt, obwohl das bislang als „einfacher“ Anstieg auf ein 4000er galt. Tja, der Klima Wandel schreitet voran und verändert die Touren.

 

Also Samstag morgens gemütlich nach Saas-Almagell gegurkt und noch die 1200 hm Aufstieg zur Almagellerhütte auf 2900 m hinter uns gebracht. Glücklicherweise blieb das für Mittag gemeldete Gewitter aus und wir erreichten trocken die Hütte, konnten sogar noch einen Freßstop auf der Almagelleralp einlegen. Im Gegensatz zu 2019 ging es mir auf Hüttenhöhe prächtig, wahrscheinlich war es für die Höhenanpassung nicht nachteilig, vor zwei Monaten endlich mal mit dem Rauchen aufzuhören. Kommt Alter, kommt Vernunft.

 

Sonntag in der Früh sind wir dann bei bestem Wetter mit etlichen anderen um 4:30 in Richtung Zwischenbergenpass (3268 m) aufgebrochen. Glücklicherweise entzerrte es sich mit den ganzen Leuten, so dass es im Aufstieg/Abstieg zu keinem Gedränge oder Stau am Grat kam. Vom Zwischenbergenpass gingen wir dann noch bis auf etwa 3400 im Schutt neben dem Südgrat um dann bei den ersten Sonnenstrahlen auf diesen zu gehen. Früher, als es noch mehr Firn hatte, ging es wohl auch noch bis etwa 3700 m gut neben dem Grat, das ist aber heutzutage, außer früh in der Saison, keine empfehlenswerte Option mehr. Ab dann ging es dann am graduell steiler werdenden Grat krabbelkletternd (Stellen im zweiten Grad) die nächsten gut 600 hm weiter. Irgendwann nahm ich Susanne dann auch ans kurze Seil, man weiß ja nie. Auf 3970 m erreichten wir dann endlich den Firn und zogen die Steigeisen an. Bei bestem Wetter und großartigem Panorama machten wir dann noch die letzten Meter bis hoch und waren dann um 09:30 dort. Allerdings muss man schon sagen, dass sich im Vergleich zu meinem letzten Besuch dort 2011 das ziemlich verändert hat. Der Firngrat zwischen Haupt- und Vorgipfel ist mittlerweile ziemlich marode und vor allem fehlt am eigentlichen Hauptgipfel, der aus einer Firnkappe besteht, mittlerweile so viel, dass der Nebengipfel, der aus Fels besteht fast schon höher ist (die Höhe des Weißmies wurde wegen des Abschmelzens der Firnkappe schon von früher 4023 m auf jetzt 4017 m angepasst). Ich gebe dem nicht mehr lange und der bisherige Nebengipfel ist dann der Hauptgipfel...

 

Nach gemütlicher Rast ging es dann alle wieder Retour. Leider waren wir im Abstieg nicht wirklich schneller als im Aufstieg, weil 600 hm Grat abklettern dauern halt auch weil man die ganze Zeit konzentriert bleiben sollte, Absturzgelände ist das halt schon. Letztendlich waren wir dann gegen 14:30 wieder an der Hütte, alles in allem also eine 10 h Tour. Glücklicherweise hatten wir zur Akklimatisierung noch eine weiter Nacht in der Almagellerhütte gebucht, so dass wir an dem Tag nicht noch die 1200 hm ins Tal absteigen durften. Das war uns auch ganz recht. Anderntags ging es dann um 05:30 gen Tal und zurück in die Pfalz. Ein weiterer 4000er für Susanne bei Top-Wetter und was für die Akklimatisierung getan. Auch nicht schlecht.

 

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© Thomas Schaub