Drei Viertausender an Ostern (2026)

 

Osterzeit ist Skihochtourenzeit! Nach dem Hinteren Fiescherhorn 2012 (White Out!), der Vincent Pyramide 2022 (4215m- Saisonabschluss) und dem Bishorn 2025 (Skihochtouren zum Saisonende), ging es auch diese Ostern wieder auf die Ski. Dieses Mal aber um gleich ein paar hohe Gipfel zu machen, nämlich den Gran Paradiso (4061 m), den Breithorn Westgipfel (4164 m) und den Pollux (4092 m).

 

Nach dem eher schneearmen Auftakt des Winters kam zum Glück gerade in den Westalpen Ende Februar und im März noch eine ordentliche Ladung Schnee, so dass wir Anfang April gut eingeschneite Gletscher sowie Schnee bis ins Tal hatten. Dazu Lawinenlage 2 und makelloses Wetter, also ideale Bedingungen für die Gipfel, die Christian und ich auf dem Plan hatten.

 

Am Karfreitag ging es dann zuerst nach Pont Breuil, dem Ausgangspunkt zum Gran Paradiso. Dort hatte es prall Sonne aber im Tal auf 1950m war noch reichlich Schnee, so dass wir vom Parkplatz aus auf den Ski loslatschen konnten. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das Rifugio Vittorio Emanuele auf 2720 m, welches wie erwartet bei den Bedingungen ziemlich voll war. Es gibt gemütlichere und bessere Hütten, aber als Tagestour mit Ski wäre der Gran Paradise schon ziemlich zach (2100 hm Aufstieg...) und ob mangelnder technischer Schwierigkeit gilt er als einer der leichtesten Ski-Viertausender rund ist dementsprechend beliebt. 

 

 

Nach unruhiger Nacht im großen Lager (was manche Leute da nachts auch immer mit ihren Stirnlampen treiben…), eingepfercht unter dem Dach der Hütte, schafften es Christian und ich aber als Erste vom Frühstück wegzukommen und damit dem Gedränge im Ski/Schuhraum zu entgehen. Bis auf einen kleinen Vorhauer an der Moräne boten die 1300 hm Aufstieg bis zum Skidepot unter dem Gipfelaufbau keine Schwierigkeiten. Nie unangenehm steil, fester Schnee, lawinentechnisch safe und auch alle Spalten so gut eingeschneit, dass wir sogar auf das Anseilen verzichten konnten. Interessant aber, wer sich neben den gut (100!) Tourengeher, die sich an dem Tag gen Gipfel aufmachten, noch so früh im Jahr versuchte auf den Gipfel zu quälen. Zum einen einige Schneeschuhgeher, die in dem sehr verharschten Schnee in den steilen Passagen offensichtlich nicht wirklich Spaß hatten, genauso wie die Tourengeher, die meinten man braucht keine Harscheisen für so einen Gipfel im April und die dann irgendwann ihre Ski tragen durften, während wir entspannt mit Harscheisen die Ski gen Gipfel schoben. Es versuchten sich auch einige nur zu Fuß, die nicht mal Schneeschuhe dabei hatten. Die hatten sicher richtig Spaß besonders weiter unten, wo die dann oft sehr tief einbrachen und kaum vorankamen. Anfang April ist halt normal echt nicht die Zeit, um mit Freude solch einen Viertausender ohne Ski anzugehen, aber es gilt die Freiheit der Berge, wer meint sich das so geben zu müssen darf das gerne versuchen. Am Skidepot angelangt kletterten wir noch die paar Meter bis zu Madonna und konnten das großartige Panorama bei strahlend blauem Himmel genießen. Da wir früh dran waren zum Glück noch ohne Satu am Gipfel (unter uns waren noch seeeehr viele Leute im Aufstieg). Der Vorteil bei Skihochtouren ist dann natürlich der deutlich schnellere und entspanntere Abstieg als im Sommer und wir brachten die tolle 2100 hm Abfahrt innert etwa zwei Stunden hinter uns (inkl. Rast an der Hütte). Im Anschluss fuhren wir dann ins Aostatal um die folgende Nacht gemütlich im Hotel zu verbringen.

 

 

Am Ostersonntag war dann Breuil-Cervina unser Ausgangspunkt, auch dort lag noch Schnee bis ins Tal und alle Pisten waren offen, was uns anderntags bei der Abfahrt entgegenkam. Aber jetzt hieß es erst einmal 65 € pro Nase abzudrücken, damit uns die Seilbahn bis zum Klein Matterhorn auf 3883 m brachte, das große Horu dabei aber immer im Blick. Zum Glück schon Akklimatisiert vom Gran Paradiso tags zuvor steuerten wir als erstes den Breithorn Westgipfel (4162 m) an, welcher wohl wirklich der technisch leichtestes Ski-Viertausender ist. Ob der Bahnnähe war dann auch erwartungsgemäß viel los, aber Gipfel ist Gipfel und der will halt auch mal gemacht werden. Ohne Schwierigkeiten erreichten wir den höchsten Punkt mit Premiumaussicht aufs Matterhorn und die anderen Walliser Viertausender. Wir hatten mal auf dem Plan von hier aus noch den Mittelgipfel anzugehen, aber auf dem Grat lag noch massig Schnee (Wechten) und es war auch nicht gespurt, weshalb wir hiervon Abstand nahmen. Nach dem Abfellen fuhren wir vom Gipfel weg über den Grande Ghiacciaio di Verra in Richtung Pollux (4092 m) ab. Nach kurzem Aufstieg zum Skidepot von selbigem mussten dann mal die Steigeisen für die letzten 200 hm zum Gipfel ran. Zuerst über eine bis zu 50° steile Firnrinne, dann leichtes Mixedgelände gefolgt von etwa 30 senkrechten Metern im Fels, die aber durch Ketten leichter gangbar gemacht wurden. Am Ende der Ketten kam die Madonna und dann noch ein schöner, ausgesetzter Firngrat bis zum eigentlichen Gipfel. Die Bedingungen waren perfekt und die Aussicht ebenfalls, vor allem der eindrückliche Liskamm direkt gegenüber. Zum Skidepot zurück folgte dann och die kurze Abfahrt zur herrlich gelegeneren Ayas Hütte, die urgemütlich und auch bei weitem nicht so voll wie die Hütte am Gran Paradiso war.

 

 

Anderntags stiegen wir wieder via Grande Ghiacciaio di Verra zum Breithornplateau auf. Wir hatten mal die Idee, Noch Roccia Nera und die Bretihornzwilligen zu machen, aber auch hier wie am Breithorn Mittelgipfel sehr viel Schnee, keine Spur, das ist wohl eher was für den Sommer und ich war dann auch schon angezählt. Also abfellen am Bretihornpalteau und noch die ~1900 hm Abfahrt nach Breuil-Cervina auf den Skipisten mitgenommen. Gerade in der oberen Hälft war das mit den leichten Tourenski und dem schweren Rucksack auf den steinhart gefroren Pisten aber kein wirklicher Spaß. Da wäre ein schwerer Alpinski die bessere Wahl für gewesen. Immerhin war die untere Hälft der Abfahrt schon angesulzt und dann noch ganz nett. So kamen wir auf drei Viertausender an Ostern, eigentlich eine ganz gute Ausbeute.

 

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© Thomas Schaub