The times are a-changin: Rubihorn Nordwand 15 Jahre später (Dezember 2025)

 

Wenn nach 15 Jahren aus einer zu der Zeit für uns Abenteuerroute eine heutzutage fast schon plaisirmäßige Bergtour wird! Was gut anderthalb Jahrzehnte mehr an Erfahrung sowie ein paar gut platzierte Bohrhaken doch für einen Unterschied machen können.

 

Ende Dezember 25 verweilte ich mal wieder im Tannheimer Tal, eigentlich zum Skitourengehen, aber die Schneelage war doch durchaus als mau zu bezeichnen und außer dem Ponten ging eigentlich nichts brauchbares mit Ski. Da es aber gut kalt war entspann der Plan, mal wieder die Rubihorn Nordwand auf der klassischen Führe zu machen. Dieses Mal mit Christian als routiniertem Allroundbergsteiger und Local, dem diese klassische Mixed-Route erstaunlicherweise noch im Tourenbuch fehlte. Eher noch als Alpinanfänger hatte ich diese Tour im Winter 10/11 schon einmal mit Edi gemacht, was sich alles hier nachlesen lässt: Morchel Pictures - Kombiniertes Klettern - Rubihorn Nordwand (Februar 2011)

 

Damals hatte es viel Schnee und Plusgrade, und wir dafür wenig Erfahrung. Für die Rubihorn Nordwand eine denkbar schlechte Kombination, aber irgendwie ging alles gut, auch wenn wir uns doch öfters nicht wirklich wohl fühlten ob der teils miesen Standplätze damals (da gab es noch keine Bohrhaken in der Route), der Unkenntnis der Wegführung und da es unser erste Mixed-Kletterei überhaupt war. Wir verbuchten das Ganze dann als kleines aber lehrreiches Abenteuer.

 

Die besten Bedingungen in der klassischen Rubihorn Nordwandführer hat man nämlich bei wenig Schnee, zumindest im untern Wandteil, und Frost, damit die ganzen Graspolster, an denen man mit den Eisgeräten klettert schön fest sind. In der oberen Wandhälfte, die man normal ob mangelnder Steilheit ungesichert geht ist dagegen Trittfirn optimal. Und genau solche Bedingung hatten wir am 29.12.25: -9°C nach klarer Nacht als wir morgens um 06:30 am Parkplatz zu Gaisalpe starteten und allerbesten Firn im oberen Wandteil nach dem Ende der Hauptschwierigkeiten. Also im Gegensatz zu der Begehung in der Saison 10/11 geradezu ideal. Zudem hatte ich letztes Jahr erfahren, dass die Bergführer, die die Tour für Kunden anbieten, mittlerweile wohl die Standplätze im unteren Teil eingebohrt haben, was der ganzen Aktion schon die Ernsthaftigkeit nimmt und man nicht mehr befürchten muss, einen Seilschaftsabsturz wegen Standversagens zu riskieren. Ok, ob der doch immer noch überschaubaren Anzahl an Zwischensicherungen, dem alles andere als sturzfreundlichen Gelände und da man es mit Eisen an Händen und Füßen klettert sollte man einen Sturz trotzdem weiterhin tunlichst vermeiden. Was aber auch noch massiv half war, dass ich die Tour schon kannte und mein Gedächtnis noch halbwegs taugt, so dass es keinerlei Routenfindungsprobleme gab. Das war 2011 noch ganz anders, siehe den damaligen Bericht.

 

Nach etwa 2 h Zustieg, am Ende durchaus ätzend das apere 300 hm Schotterfeld hoch waren wir dann am Einstieg und machten ohne weitere Schwierigkeiten die 5 Seillängen des unteren Wandteils in Wechselführung (Schwierigkeiten bis M4, aber nur zwei Einzelzellen). Der Teil war mehr oder minder schneefrei, das Gras hart gefroren und super zu klettern. Danach ging ich am langen Seil vor mit ein paar Zwischensicherungen als Absturzsicherrungen bis zum Stand am Wandbuch. Ab da kam dann wunderbarer Trittfirn den wir ohne weitere Sicherungen am kurzen Seil, Christan nun voran, gen Gipfel stapften, den wir etwa 4 h nach Einstieg erreicht hatten. Nach ausgiebiger Gipfelrast in der Sonne erfolgte der Abstieg dann via Wanderweg innert 2.5 h am Gaisalpsee vorbei zurück ans Auto. Die Route konnten wir so richtig genießen und war ein perfekter Jahresabschluss für uns beide. 2011 fühlte sich die Route unter den damaligen Rahmenbedingungen echt noch anders an… es ist echt schön wenn sich mal was einfacher anfühlt, wenn man älter wird. The times are a-changin! 

 

 

Noch ein paar aktuelle Infos zur Route:

 

Eine sehr gute, aber ältere Beschreibung der Route findet sich auf Bergsteigen.com:

 https://www.bergsteigen.com/touren/eisklettern/rubihorn-nordwand/

In dem Topo gab es die Bohrhaken an der Standplätzen noch nicht. Heutzutage stecken diese an den Ständen nach den dort beschrieben Seillängen 1, 2, 3 und 5 sowie am Wandbuch. Nach Seillänge 4 ist der Stand auch ohne Bohrhaken solide und besteht aus 2 Fixschlingen + 1 Normalhaken. Wie zuvor beschreiben ist das Geländ sehr sturzunfreundlich und die Kletterei sollte wirklich sitzen. Deshalb haben wir auch nur spärlich zwischengesichert (die unten angegebenen Haken waren alle schon vorhanden):

 

Länge 1 (I-II): Keine Zwischensicherung

Länge 2 (IV-): 1 Normalhaken

Länge 3 (III): Fixschlinge, 1 Normalhaken

Länge 4 (II): Cam#1, Bohrhaken, Eishaken (von mir in ein Graspolster geschlagen, der taugte aber eher nichts)

Länge 5 (IV): Cam#1, Cam#2

 

Zum Wandbuch (gleitendes Seil; II): Cam 2, 1 Normalhaken, Schlinge

 

Ab Wandbuch: 1 Normalhaken, Köpfelstand, dann am kurzen Seil ohne weitere Sicherungen zum Gipfel (Stelle I-II, Rest Stapferei)

 

In Summe haben wir als Sicherungsmaterial gebraucht: 3 Exen, Cam#1, Cam#2, 1 Schlinge, 1 Eishaken. Bei guten Bedingungen kann man die Tour also mit sehr wenig Material gehen.

 

Wir hatten allerdings viel zu viel dabei: 12 Expressen, 10 (!) Eisschrauben (ok, wir hatten auf die Wasserfallvariante gesetzt, aber es gab kein Eis), 5 Normalhaken, kompletten Satz Calamots 0.3-3, kompletter Satz Keile… bei der Materialplanung wäre also noch Optimierungsbedarf, aber man schleppt ja gerne und ich hatte tags zuvor nochmal meinen alten Bericht gelesen...

 

Zum Abstieg: Im September 25 wurde kurz vor dem Teil Gipfel ein etwa 10m langes Stück des dort versicherten Steiges durch einen Felsstutz mitsamt Drahtseil abgerissen und als Wanderweg aktuell eigentlich gesperrt. Das Stück besteht (Stand 12/25) aus sehr steilem Dreck. Das lässt sich aber mit den Steigeisen und Eisgeräten halbwegs gut queren und es empfiehlt sich hier nochmal kurz zu sichern (gute Fixpunkte an beiden Seiten der Querung wo das noch vorhandene Drahtseil befestigt ist; siehe Bild unten). Alternativ kann man wohl auch über den Grat vom Hauptgipfel auf den Abstiegsweg gelangen (da waren zumindest Spuren im Schnee, ist aber recht luftig).

 

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© Thomas Schaub