Warum waren wir da noch nie zuvor? Diese Frage stellten wir uns nach zwei Wochen nach zwei wirklich tollen Wochen im April 2026 auf Sardinien, die wir mit gepflegtem Trekking und großartiger Kletterei verbrachten.
Die erste Woche verbrachten wir am wildesten Teil der Ostküste und machten als organisierte Tour den immer noch sehr lohnenden „Selvaggio Blu“, der bei Susanne schon lange hoch oben auf der Wunschliste Stand. Die zweite Woche ging es dann in den Südwestwesten der Insel, wo es zum einen am Capo Pecora ein wunderbare Trad-Granitklettergebiet gibt aber zum anderen auch fantastische Klettertouren im Kalk, teils direkt über dem Meer.
Selvaggio Blu
Der Selvaggio Blu ist einer (der?) bekanntesten sogenannten Wild-Trails im Mittelmeerraum, eine 6-tägige Trekkingroute am unzugänglichsten Teil der sardischen Ostküsten entlang. Oft geht es über alte Hirtenpfade, aber auch durch wegloses Gelände mit Kletterstellen bis zum dritten Grat und vielen Abseilstellten (die längste 50m freihängend). Genächtigt wird dabei draußen, mit Isomatte und Schlafsack unter freiem Himmel oder im Zelt. Wir haben das ganze als organsierte Tour als Achtergruppe mit Führer gemacht, was den Vorteil hat, dass sich jemand um die Logistik kümmert. Die Verpflegung und Schlafkram wird so abends per Boot oder Geländewagen an die Lagerplätze gebracht. In Summe waren es 59.4 km Wegstrecke und 2615 hm Aufstieg in den 6 Tagen, was sich erst mal nicht arg viel anhört, aber in dem Gelände dort, v.a. wenn es technisch wird, kommt man einfach nicht schnell voran. Landschaftlich ist die Tour schlicht und ergreifend der Hammer und da namengebenden blau hatten wir permanent im Wasser und am Himmel. Mittlerweile hat der Weg den Ruf überlaufen zu sein, das konnte wir so in der dritten Aprilwoche aber absolut nicht bestätigen. Nur an einem Lager war noch eine andere Gruppe (die de Weg anderntags aber anders ging) und eine Gruppe kam uns in der Mitte entgegen. Das wars mit dem ach so schrecklichen „Andrang“.
Der "Selvaggio Blu": 59.4 km Wegstrecke und 2615 Höhenmeter Aufstieg in sechs Etappen an der sardischen Ostküste entlang
Etappe 1 (14 km, 1034 hm):
Die was Wegstrecke und Höhenmeter angeht längste Etappe, dafür aber die technisch einfachste. Startpunkt in Santa Maria di Navarrese und zuerst recht flach auf gutem Wanderweg zum Felsturm „Pedra Longa“. Nach kurzem Badestop im mit 17°C zum Baden für uns schon recht angenehmen Wasser (wir waren letztendlich fast jeden Tag im Meer schwimmen). Lieder fingen hier schon Susannes Wanderdschuhe an Auflösungserscheinungen zu zeigen, was ich Abend noch mit etwas Tape flicken konnte. Dann kam der südseitige Aufstieg an der Punta Giradili vorbei und oben noch gut 2 h durch Karstgelände bis wir zu unserer sehr urigen Unterkunft auf einem abgelegenen Hof gelangten. Dort gab es ordentlich schwere sardische Küche inkl. Gegrilltem Schweinekopf. Übernachtet wurde im freien auf der Terrasse des Hofs.
Etappe 2 (12.2 km, 356 hm, Kletterstellen):
Am zweiten Tag wurde das Gelände dann schon rauer. Zuerst latschten wir gut 4 h über oft weglose Karstgelände im messerscharfen Kalk. Dieser Untergrund setzte Susannes Schuhen dann vollends zu und wir konnte die mit massivem Tape-Einsatz dann gerad noch so bis zum Lager retten (ab der dritten Etappe ging es für Suanne dann nur noch in Sandalen weiter). In einem Einschnitt kamen dann auch die ersten Kletterstellen im dritten Grad, die aber von unserem Guide Emmy mit einem Seil versichert wurden. Das Abendlager war dann direkt am Meer in eiern wirklich tollen Bucht. Ab da war unser „Bad“ mangels Süßwasser als auch das Meer und genächtigt wurde unter dem Sternenhimmel.
Etappe 3 (9.4 km, 595 hm, Abseilstelle):
Durch lichten Wald schlängelt sich der Weg weiter über den Klippen entlang bis auf die „Punta Salinas“, von der aus man eine fantastische Aussicht auf den „Cala Goloritze“ hat, der als einer der schönsten Strände der Welt gilt. Abe rauch der Rest der Küste hier am Golf di Orosei ist eine wahre Augenweide. Nach einem kurzen Abseilstelle am Gipfel ging es dann runter zu dem Strand mit seinem unglaublich tollen Wasser. Ja, zurecht beliebt (aber durch ein Ticketsystem auf 250 Besucher am Tag beschränkt), wobei im Apriul zum Glück noch nicht arg so viel los war. Hier ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, ausgiebig zu schwimmen. Nachdem alle anderen Gäste weg waren wurden wir vom Boot am Strand aufgesammelt und zu unserem Nachtlager am Nachbarstrand gebracht. Anscheinend waren wir die Letzen, denen das noch erlaubt wurde, da ab der Woche drauf wohl ein Anlegen mit Booten am „Cala Goloritze“ auch für die Macher der Selvaggio Blu wohl nicht mehr geduldet wird. Mal wieder Dusel gehabt…
Etappe 4 (7.8 km, 648 m, Kletterstellen, 50 m Abseilstelle):
Jetzt wurde das Gelände nochmal deutlich wilder. Nach kurzem Aufstieg durch den Wald dann immer direkt an der Steilwand über Bänder auf und ab in großartiger Felsszenerie. An zwei Passagen sicherte es der Guide dann wieder mit einem Seil ab, da es doch kraxelig wurde und man nicht mehr ausrutschen sollte. Am Ende der Wand kam dann noch die spektakuläre 50m freihängende Abseilerei. Nach Pause mit Bad im Meer ging es dann wieder durch recht steiles Gelände hoch bis zur frei zugänglichen Tropfsteinhöhle „Grotta d´Urele“, der wir auch noch einen Besuch abstatten. Das Nachtlager schlugen wir ein einem schönen Eichenwald auf. Wobei, wessen Lieblingsnahrung sind eigentlich Eicheln? Und die Schweine hörten wird dann auch schon im Wald als wir beim Abendessen waren.
Etappe 5 (8.5 km. 545 hm, Kletterstellen, 4 Abseilstellen):
Als notorischer Frühaufsteher und durch irgendein Gegrunze geweckt schält ich mich zum Sonnenaufgang aus dem Schlafsack um einen Kaffee zu machen. Tja, das Gegrunze war ein Rotte Schweine, die sich in unserem Lager ausgebreitet hatten, gemütlich den Boden umgruben und schauten, was sie noch an Essensresten von uns ergattern konnten. Als die sich dann an unsere Essenvorräte machen wollten habe ich dem ganzen dann mal Einhalt geboten und die Viecher weggetrieben. Wir nannten es ab das das „Schweinecamp“. Auch diese Etappe ging direkt durch Steilgelände an der Küste mit zwei kleine Klettersteigen, wo Suanne mit ihren Sandalen nicht so richtig Spaß hatte (aber S´ging ooch, wie der Sachse sagen würde), gefolgt von 4 Abseilstellen um an den „Cala Sisine“ zu gelangen, wo wir unser letztes Lager hatten.
Etappe 6 (2.4 km, 11 hm, 7 Abseilstellen):
Die letzte Etappe war eher technisch und durch viel Abseilen geprägt. Mit dem Geländewagen wurden wir morgen nochmal zum Schweinecamp gebracht. Von da an bergab an die Klippen und die 7 Seilfahrten in Richtung Meeh begannen. Dabei gingen wir durch die „Grotta Panoramica“ hindurch und ganz unten dann noch in die „Grotta N. 1“ am Meer. Eine durchaus originelle und eindrücklich Wegführung. Um an den Abholpunkt am Meer zu gelangen durften wir dann noch eine schöne seilversicherte Felstraverse über dem Wasser machen. Wir wurden dann vom Boot abgeholt, was uns in einer einstündigen Fahrt zurück nach Santa Maria brachte. In Summe eine super Tour, die wir sofort wieder machen würden!