Klettern im Südwesten
Für die zweite Woche zum Klettern schlugen wir unser Lager in dem ehemaligen Bergbauort Bruggerru auf, von wo aus viele Klettergebiete recht gut erreichbar sind. Eine gute Übersicht mit allen Klettereien dort inkl. Topos findet sich hier: www.climbingitaly.com/sardinia/ (nach Registrierung kostenfrei nutzbar). Das Angebot ist durchaus reichhaltig und geht von klettergartenmäßigen Kalkklettereien über tolle Mehrseilllängenrouten direkt am Meer bis zu fantastischer Trad-Kletterei an wassergeformten Granit. Anbei die Gebiete, in den wir selbst zum Klettern waren.
Capo Pecora (Rock Climbing in Capo Pecora - A free and complete digital guide):
Das Trad-Klettergebiet im wunderbar wassergeformten Granit direkt am kristallklaren Meer. Mit dem „Big-Ben“ hat es auch eine stolzen 40m-Gipfel, wo schon die einfachste Route hoch rustikale 5b-Schulterrisskeltterei verlangt. Daneben hat es aber auch noch niedriger Cliffs, die eher an das Klettern im Gritstone erinnern. Es ist ein Trad Gebiet, d.h. wenn überhaupt sich nur Stände und Abseiler/Umlenker gebohrt, der Rest ist clean belassen. Also ordentlich Klemmgeräte einpacken, die Felsstruktur dort ist ideal zum Absichern mit Friends. Ein absoluter Must-Climb dort ist die Tour „Signori si Nasce“ (60m, 5b) auf dem Big-Ben. Fantastischer Fels, fantastische Linie, Fantastische Umgebung. Die Crux sind ein paar Meter luftiger Schulterriss am Schluss, wo ein Camalot 5 zur Absicherung ganz nützlich ist. Ansonsten ist es ein großer Trad-Spielplatz mit reichhaltiger Routenauswahl, da hat es aber auch noch etliche Linien, die sich nicht im Kletterführer finden und wo man hochkreuchen kann.
San Nicolo (S.Nicolò - Wall to climb - Climbing Italy und S.Nicolò - Ficus Area - Climbing Italy):
Nett gelegen in einer Art Kessel, der ringsum beklettert wird. Meist Einseillängenrouten aber auch paar Mehrseillängen. Fels an sich ist in den leichtern Graden ehr plattig aber toll wasserzerfressen. Im Ficus Area ist alles mit geklebtem seefestestem Hakenmaterial saniert, im oberen Teil, wo wir drei tolle Platten geklettert haben leider noch nicht. Da rosten die Haken munter vor sich hin. Bei uns heilten die noch, da sollte aber mal dringend saniert werden. Nach dem Klettern bietet es sich an, noch über die 180m hohe Düne von San Nicolo zu wandern.
Gutturu Gardaxiu (G.Cardaxiu - Istentales - Climbing Italy und G.Cardaxiu - Piazza Pulita - Climbing Italy)
Schöner Canyon mit 8 verschiedenen Sektoren und großem Angebot. Alle sehr Kletterartencharakter, Bewertung teils nicht ganz stimmig. In einer 5c bin ich rausgefault um dann gleich danach eine 6a+ im On-Sight zu ziehen. Gerade im Sektor „Piazza Pulita“ für Kalk ungewohnte Kletterei, die eher an Steinbruchkletterei in der Pfalz erinnert und mir deshalb auch ziemlich gut reinlief (die vorhin erwähnte 6a+ war dort und auch Susanne fand dort gefallen an einer 6a im Toprope).
Domousnova (Monte Acqua - Climbing Italy und Arrampicantro - Climbing Italy)
Domousnova ist das älteste Sportklettergebiet auf der Insel und hat über 35 verschiedene Sektoren und es gibt sogar einen eigen Kletterführer nur für das Gebiet. Alleine nur hier würde sich schon eine Woche Kletterurlaub lohnen. Hier machten wir zuerst die 5 Seillängenroute „Soft Grit“ (5b) am Monte Acqua. Eine wahre Plaisirtour über toller Kalkplatten mit Tropflöchern. Dann haben wir noch paar Einseillängen an ganz tollem Fels im Sektor Arrampicantro gemacht.