Was tun an extrem heißen Tagen? Ab in eine schattige Nordwand auf Deutschlands Höchsten auf einer fantastischen Route! Diese war die „Eisenzeit“, die obwohl erst 2014 komplett erschlossen sich schnell zu einem zurecht sehr beliebten Anstieg auf die Zugspitze gemausert hat (einfach mal im Netz „Eisenzeit und Zugspitze“ suchen und man findet reichlich Videos und Begehungsberichte).
Susanne wollte diese Route schon länger mal machen, auch weil Sie im Gegensatz zu mir zuvor auch noch nie auf der Zugspitze war. Da die Tour mit ~2000 Höhenmetern zwar recht lang, aber mit einer maximalen Kletterschwierigkeit von 4- auch bei dürftiger Absicherung noch in meinem Komfortbereich liegt, konnte ich das auch führen. Die Eisenzeit startet am Eibsee 1000 m und man folgt erst dem bequemen Wanderweg in Richtung Riffelscharte bis auf etwa 1850 m.
Da es an dem Tag zum einen sehr heiß gemeldet war (bei uns in Haßloch kletterten die Temperaturen bis auf 40°C) und an einem schönen Samstag erwartungsgemäß viel Betrieb zu erwarten war, starteten wir um 03:30 (!) am Eibsee latschten die erste Stunde erst einmal im Lichte der Stirnlampen, was aber auf dem Wanderweg problemlos war.
Auf 1850 m hieß es dann auf den alten Tunnelbauersteig und damit in die eigentliche Route abzubiegen. Diese folgt nämlich, was auch mit zu ihrem Reiz beiträgt, dem alten Steig der Tunnelbauer, die von 1928-1930 den Tunnel für die Bayrische Zugspitzbahn aus dem Berg sprengten. Dies erfolgte von verschiedenen Punkten aus und die Eisenzeit folgt dem Weg zum Tunnelfenster IV auf 2350 m. Dieser Weg war ursprünglich mit Stahlseilen versichert, wurde aber die letzten knapp 100 Jahre nicht mehr gepflegt, weshalb die noch vorhanden rostigen Versicherungen nur noch dekorativen Charakter haben, aber zum rustikalen Charme der Route beitragen (und natürlich gern genommene Orientierungshilfen sind).
Zuerst quert man auf teils recht schmalen und ausgesetzten Bändern bis in eine Art Kessel mit viel Metallschrott. Ab da geht es dann recht steil im Zick-Zack über teils ausgehauen Stufen bis zu einer ziemlich schrottigen Leiter, die sogenannte „Harakiri Leiter“. Hier packten wir dann auch mal das Seil aus, um die Stelle zu sicher, die Leiter war alles andere als vertrauenserweckend. Kurz danach auf 2290 m kam dann eine der klettertechnischen Schlüsselstellen: Ein kurzes, brüchiges Wändel, wo 4- als Schwierigkeitsgrad angegeben wird. Sichern kann man die Stelle im Vorstieg nicht und es kommt erst danach ein Haken, wo ich immerhin die Nachsteigerin sichern konnte. Die Route wurde von einem Bergführer nach dem Aspekt des Führens von Kunden eingerichtet, d.h. die Fixsicherungen kommen meist NACH den schweren Stellen… Mir fiel dieses Wändel aber recht leicht und da keine schweren Stellen als diese in der Route kommen sollten, war ich auch frohen Mutes über den weiteren Verlauf.
Kurz danach erreichten wir die recht weitläufigen Kavernen des Tunnelfenster IV auf 2350 m, wo früher die Wohnbaracken der Tunnelbauer waren. Ein sehr bizarrer Ort hier oben in der Nordwand, tief unter einem der schöne Eibsee und direkt über einem die Seilbahn mit den gaffenden Touristen.
Nach dem Tunnelfenster IV begann dann der eigentlich Kletterweg, der 2014 gefunden wurde. Ab hier geht es immer leicht rechts aufwärts querend im Schwierigkeitsgrad I-III (es kam noch eine weitere 4- Stelle) durch die zwar geneigte, aber doch plattig schottrige Wand in Richtung Zugspitzgipfel. Ab und an kamen Bohrhaken, dann wußte ich als auch, dass ich richtig bin. Die größte Schwierigkeit ist in dem unübersichtlichen Gelände ohne Klare Line nämlich, sich nicht zu versteigen. Ich hatte aber ein gutes Topo dabei und doch schon paar Jahre Erfahrung im alpinen Gelände auf dem Buckel, so dass wir ohne größere Probleme hier Seillänge um Seillänge (teils gingen wir auch am gleitenden Siel, wenn es leichter wurde um Zeit zu sparen), bis wir noch ein Schuttfeld hoch mussten für die letzten drei Seillängen der Tour. Dieses Schuttfeld ist eigentlich irgendwie Gehgelände, war aber der unangenehmste Teil der Tour. Steil, sehr schottrig, nicht absicherbar und Absturzgelände. S´ging ooch, wir waren aber froh als wir wieder im richtigen Fels waren. Nach drei weitern Seillängen im schönen Fels waren wir dann auch schon am Ende der Tour auf dem sogenannten „Finger“ auf 2680 m. Bis zu diesem sind wir die ganze Route im Schatten geklettert und auch erst als wir oben waren schloss eine andere Seilschaft zu uns auf. Wir zählten im weiteren Verlauf noch etwa 10 Seilschaften, die über die Route aufsteigen, die Idee sehr früh zu starten war also nicht verkehrt, so hatten wir niemandem vor uns und auch keine Drängler hinter uns. Zudem ist die Route halt wirklich schottrig und man muss schon ziemlich aufpassen wegen Steinschlag.
Nach kurzer Rast auf dem Finger seilten wir uns zweimal bis auf den extrem stark besuchten Höllentalklettersteig ab, um auf diesem die letzte 330 hm auf den Gipfel zu machen. Leider in der Mittagssonne und da wurden wir schon ordentlich gegrillt. Immerhin kamen wir in keinen Stau rein, was es auf diesem Klettersteig wohl oft gibt.
Am Zugspitzgipfel dann ein Gipfel-Crodino mit der Liebsten und so schnell wie möglich runter, der Trouble am Zugspitzgipfel ist durch die Übererschließung mit Bahnen einfach zu arg. So toll die Tour war, so abschreckend ist es für einen passionierten Bergsteiger am Gipfel. Aber einen großen Vorteil hat die Übererschließung: Für 46 € pro Nase ersparten wir unseren nicht mehr ganz so frischen Knien die 2000 hm Abstieg durch eine Seibahnfahrt und ließen den Tag im Pool von unsrem Hotel in Garmisch ausklingen…