Vom Winter in den Sommer – 4000er um die Britanniahütte (Mai/Juli 2026)

 

Es ist immer wieder interessant, wie schnell sich die Bedingungen im Gebirge ändert, wie ich es dieses Jahr innerhalb knapp zwei Monaten bei der Besteigung von zwei Viertausendern bei der Britanniahütte mal wieder erleben durfte. An 24.05.2026 (Pfingstwochenende) bin ich von Saas Fee weg noch eine Skitour mit Johannes und Christian bei sehr gut eingeschneitem Gletscher aufs Rimpfischhorn (4198 m) gegangen, während ich mit Nils und Susanne dann bei sehr aperen Bedingungen am 19.07.26 via Hohlaubgrat das Allalinhorn (4027 m) bestiegen.

 

 

Blick von der Britanniahütte zum Strahlhorn 24.05.2026

 

 

Und dann knapp zwei Monate später am 18.07.2026

 

Am Pfingstwochenende war als Skitourensaisonabschluss die Britanniahütte mit ihrem vielfältigen Tourenangebot das Ziel. Normalerweise ist diese im Winter sehr einfach mit Ski in weniger als einer Stunde und kaum Höhenmeter von der Seilbahnstation Felskinn aus erreichbar. Tja, als wir auf der Hütte was gebucht haten, hatten wir nicht auf dem Schirm, dass die Bergbahnen in Saas Fee im Mai Betriebsferien haben und nur jeweils früh am Morgen und abends eine Bahn zum Felskinn fährt. Das war uns irgendwie zu blöd, also by fair means die knapp 1300 hm zur Hütte. Obwohl es im Tal fast schon Sommer war, hatte es noch von einer Pissite Schnee bis auf gut 2000m runter, d.h. wir mussten die Ski nur knapp 200 Höhenmeter tragen und konnten den Rest dann mit Ski unter den Füßen zur Hütte latschen. Leider in der prallen Sonne und unter den Liftanlagen durch. Es gibt schöneres. Ab der Britanniahütte waren die Gletscher aber noch sehr gut eingeschneit obwohl der Winter nicht sonderlich schneereich war (ok, das ist jetzt auch eigentlich das neue normal). Am Pfingstsonntag machten wir uns dann auf den langen Weg zum Rimpfischhorn. Alle Spalten gut überdeckt, so dass wir in relativ direktem Weg via Allalinpass den Rimpfischsattel ansteuern konnten. Das alles bei bestem Wetter, weshalb wir auch nicht alleine unterwegs waren. Am Rimpfischsattel hieß es Ski weg und Eisen an. Zuerst das Couloir etwa 1/3 hoch, dann die einfach Querung nach links und hoch auf den Grat. Direkt über die Gratschneide in tollem Basalt mit ordentlichen Tiefblicken am gleitenden Seil ging es zum Gipfel, während wir einige überholten, die weiter links vom Grat in zwar etwas leichterem aber deutlich brüchigeren Gelände rumkreuchten. Auf dem recht kleinen Gipfel angekommen konnten wir das hervorragende Panorama genießen, bevor wir wieder bis zum Skidepot retour kletterten (das Couloir am Schluss abseilend). Bis auf den Sulz ganz unten war der Schnee sehr genussvoll abzufahren, nur die 150 Hm Gegenanstieg zur Hütte in der prallen Sonne waren dann durchaus ätzend, v.a. wenn man schon 10 h unterwegs war. Anderntags machten wir uns dann auf Richtung Strahlhorn. Aber wir merkten dann auch, dass der lange Aufstieg zur Hütte und die Tour aufs Rimpfischhorn uns noch in den Beinen stecket und wir noch eine lange Abfahrt und Heimfahrt vor uns hatten. Auf ~3500 m Höhe drehten wir deshalb um und begannen mit der Talabfahrt. Nach ein paar netten 100 Hm auf dem Gletscher kam schon wieder der Gegenanstieg zur Hütte gefolgt von der Querung zum Egginerjoch. Von da ab ging es dann nur noch runter. Leider war die Schneequalität ab dort sehr durchwachsen und ruppig. Oben gefrorener Acker, unten Sulz. Nicht so geil, aber immerhin kamen wir auf den letzten Schneefetzen bis auf knapp 2000 m auf den Ski runter.  

 

 

Als wir dann im Juli das Allalinhorn in Angriff nahmen, sah es völlig anders aus. Sehr aper und die Gletscher eigentlich nur noch ab so 3500 m halbwegs schneebedeckt. Ein ziemlich krasser Unterschied. Für die besser Akklimatisierung wählten wir wieder den Fußaufstieg zur Hütte, dieses Mal aber landschaftlich wesentlich lohnender nicht durchs Skigebiet, sondern um das Mittagshorn herum. Für Nils sollte es der erst Viertausender sein und ich wählte hierfür den Aufstieg via Hohlaubgrat, da ich diesen selbst noch nie gemacht hatte. Mit Susanne war ich schon Mal vor ein paar Jahren auf dem Allalinhorn, aber via Normalweg. Früh morgens um 02:30 war dann Weckzeit und im Stirnlampenlicht starteten wir um 03:30, weil sich abgezeichnet hatte, dass sehr viele von der Hütte den Hohlaubgrat machen wollten. Trotz frühen Starts hatten wir leider schon einige andere vor uns. Wir querten den aperen Hohlaubgletscher um den Grat im Blockgelände schon auf ~3100 m anzugehen. Im einfachen Blockgelände kletterten wir munter, irgendwann mit schönem Sonnenaufgang, ohne Probleme bis auf ~3600 m, wo man dann auch wirklich in den Firn mussten. Also Steigeisen an und dann wurde es auch schon schnell knapp 40°C steil. Da es aber sehr gut zu gehender und ausgetretener Stappffirn war, hatte auch Nels, obwohl er sowas vorher noch nie gemacht hatte, keine Probleme mit dem Gelände. Es wurde dann wieder flacher und der Firngrat von zwei aperen, etwas unangenehm schuttigen Abschnitte unterbrochen. Geht man nach den Bildern in den Führern, dann war hier früher als wohl mehr Firn… Und dann kam auf knapp 4000 m Höhe die Schlüsselstelle, ein ~20 m hoher Felsriegel, den man an Fixketten überwindet. Tja, ich nenne diese Stelle mal den „Hillary-Step für Arme“, denn hier staute es sich dann. Zwei Fünfergruppen vor uns waren offensichtlich überfordert und kamen da kaum voran. Da sah bei einigen von denen aus, als ob die das erste Mal in ihrem Leben klettern würden, obwohl man sich nur paar Meter an einer fetten Kette hochziehen muss. Wir fragten uns, warum man so eine Toru angeht, wenn man keine Ahnung vom Klettern hat... Blöderweise ging überholen gar nicht und der Warteplatz war alles andere als ideal: Wir standen in einer Schlange auf einem sehr schmalen Firngrat (hinsetzen konnte man vergessen), rechts und links gings es jeweils gut 1000 m runter und dazu pfiff noch ordentlich der Wind. Es blieb uns nichts andres übrig, als es stoisch zu ertragen, bis wir drankamen. Nach 80 Mintuen war es dann so weit und immerhin konnten Susanne, Nils und ich die Stelle sehr schnell meistern. Dann kamen noch etwas Schuttgelände bevor wir in den Gipfeltrubel des Allalinhorns gerieten, zählt es doch eben dem Breithorn als auf dem Normalweg am einfachsten zu erreichender 4000er. Nichtsdestotrotz, Nils freute sich sehr, leider war durch die tiefhängende Wolkendecke die Aussicht getrübt. Das Matterhorn zum Beispiel hielt sich beharrlich in den Wolken. Ohne weitere Schwierigkeiten latschen wir in einer Stunde die breit ausgetretene Trasse des Normalweges zum Station Mittelallain und via Bahn ging es zurück nach Saas Fee.

 

Zwei Viertausender innerhalb von nicht mal zwei Monaten im gleichen Gebiet bei völlig anderen Bedingungen. Durchaus interessant, für das Jahr reicht es dann aber auch mal mit Hochtouren. Zumindest bis es wieder gut Schnee hat…

 

Druckversion | Sitemap
© Thomas Schaub